Hariri-Mord: Zeugen gegen Damaskus fallen um

29. November 2005, 18:49
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Vernehmung von Syrern in Wien steht unmittelbar bevor - Syrien fordert völlige Überarbeitung des UNO-Berichts

Beirut - Die Syrer, die von UNO-Ermittler Detlev Mehlis in Wien zum Mord am libanesischen Expremier Rafik al-Hariri verhört werden sollen, würden "in den kommenden Tagen" eintreffen, verlautete am Montag aus mit den Ermittlungen vertrauten Kreisen. Zur Identität der syrischen Offiziellen lagen zunächst keine Angaben vor. Der Schwager von Syriens Präsident Bashar al-Assad, Militärgeheimdienstchef Assef Shawkat, werde nicht unter ihnen sein.

Zeuge zu Falschaussage gezwungen?

Am Montag behauptete ein Zeuge, der Syrien bei den Mehlis-Ermittlungen belastet hatte, zu einer Falschaussage gezwungen worden zu sein. Seine Aussage sei "komplett falsch" gewesen, sagte der syrische Kurde Houssam Taher Houssam in einem Interview mit dem staatlichen syrischen Satellitenfernsehen. Er sei "mit Drohungen und astronomischen Geldsummen" dazu bewegt worden, andere Syrer zu beschuldigen. Im Mehlis-Bericht hatte es geheißen, es geben "schlüssige Beweise" für eine Verwicklung syrischer und libanesischer Geheimdienste in den Mord.

Syrien fordert nun eine völlige Überarbeitung des UN-Berichtes. Der Bericht der UNO-Untersuchungskommission unter der Leitung des Berliner Staatsanwalts Detelev Mehlis sei in sich zusammengefallen, sagte der Leiter der syrischen Untersuchungskommission, Ibrahim Darraji, am Montag.

Spekulationen um zweiten Zeugen

Auch um einen zweiten Zeugen gibt es Spekulationen: Syrien hat angeblich die türkische Justiz um Amtshilfe gebeten, nachdem der in der Türkei inhaftierte Syrer Louai Sakka ausgesagt haben soll, man habe ihm Geld für eine Falschaussage angeboten, die Assads Schwager im Fall Hariri belaste.

Der UNO-Untersuchungsbericht zum Mordanschlag auf Hariri im Februar 2005 in Beirut belastet Shawkat. Der 55-Jährige ist mit der einzigen Schwester Assads verheiratet. Mehlis soll seinen nächsten Bericht, der über Sanktionen gegen Syrien entscheiden könnte, am 15. Dezember präsentieren. Dass sich Syrien und Mehlis auf einen Modus der Zusammenarbeit geeinigt haben, schrieben am Wochenende sowohl König Abdullah von Jordanien als auch König Abdullah von Saudi-Arabien den eigenen Vermittlungsbemühungen zu. (Red/DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2005)

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