Die ägyptische Moslembruderschaft

3. März 2006, 18:54
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Stärkste Oppositionskraft des Landes - Zahlreiche Terror-Aktivisten waren Mitglieder

Wien/Kairo - Die offiziell verbotene islamistische Moslembruderschaft hat bei den ägyptischen Parlamentswahlen ihre Position als stärkste Oppositionskraft des Landes massiv ausgebaut. 150 "unabhängige" Kandidaten - darunter nur eine Frau - bewarben sich unter dem Slogan "Der Islam ist die Lösung" um einen Sitz im Parlament. Die Moslembrüder konnten von der schlechten sozialen Lage breiter Schichten und von der verbreiteten Unzufriedenheit mit der Regierung von Präsident Hosni Mubarak profitieren.

Gründung

Gegründet wurde die Moslembruderschaft 1928 vom Volksschullehrer Hassan al-Banna (1906 bis 1949). Danach fanden die Moslembrüder in Hunderten Moscheen der ganzen arabischen Welt ihre Basen.

Tagsüber wirkte man für gute Zwecke, aber nachts wurde heimlich an Feuerwaffen und Handgranaten geübt. Das Motto der Bruderschaft lautete: "Allah unser Gott; Mohammed unser Führer; der Koran unser Gesetz; der Jihad unser Weg. Der Tod im Dienste Allahs ist sein Befehl." 1940 unternahm die Bewegung den Versuch, Verbindung zu Hitler und Mussolini aufzunehmen.

Niederlage 1945

1945 erlitt die Bruderschaft bei der Wahl zum ägyptischen Parlament eine Niederlage. Diese Wahlschlappe wurde zum Auslöser für bewaffnete Terroraktionen. Daraufhin wurde die Bewegung in Ägypten gesetzlich verboten. Ministerpräsident Mahmud Nukarshi, der das Verbot durchsetzte, fiel kurze Zeit später einem Attentat zum Opfer. Tausende Moslembrüder wurden verhaftet, viele andere zogen 1948 in den Krieg gegen Israel.

1949 wurde Banna, der Gründer der Bruderschaft, ermordet. Unter General Gamal Abdel Nasser, der 1952 nach einem Staatsstreich die Macht übernommen hatte, wurde das Verbot der Bewegung aufgehoben. 1954, nach einem Attentatsversuch gegen Nasser, wurden die Moslembrüder jedoch erneut verboten und mit aller Härte verfolgt. Die meisten ihrer Führer wurden zum Tode verurteilt.

"Chefideologe"

Sayyid al-Qutb, den Nasser 1966 hängen ließ, schrieb im Gefängnis mehrere Bücher und wurde zum "Chefideologen" der Bewegung. Er stellte unter anderem die These auf, dass es das Ziel der amerikanischen Politik sei, den Islam auszurotten. Jeder Moslem müsse daher gegen die USA kämpfen.

Anfang der 70er Jahre waren die Moslembrüder geschwächt und ihre Organisation zerschlagen. Doch unter dem neuen ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat, der sie innenpolitisch gegen die pro-sowjetischen Strömungen im Lande ausnutzen wollte, wurden sie wieder legal. Nach dem Friedensschluss mit Israel wurde Sadat 1981 wird bei einer Militärparade in Kairo von radikalen Moslems ermordet. Hunderte Soldaten und Polizisten wurden durch Jihadisten getötet.

Mubarak im Amt

Am 13. Oktober 1981 übernahm Mubarak das Amt des Präsidenten und ging erneut mit aller Härte gegen die Moslembrüder und andere islamistische Gruppen vor. Aus diesen Bewegungen gingen eine Reihe von Führern des Terrornetzwerkes Al-Kaida und anderer Jihad-Bewegungen hervor, darunter Scheich Omar Abdel Rahman, der den ersten Anschlag auf das World Trade Center in New York organisierte oder Ayman al-Zawahiri, der Stellvertreter von Osama bin Laden.

Mittlerweile haben die Moslembrüder starken Einfluss in der ägyptischen Gesellschaft gewonnen. Kritische Intellektuelle, die einen gemäßigten Islam vertreten, werden unter Druck gesetzt, mundtot gemacht oder müssen fürchten, ermordet zu werden. Ein prominenter Enkel von Bruderschaftsgründer Banna ist der in Genf lebende, umstrittene Islam-Gelehrte Tariq Ramadan. (APA)

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