Neuer FSME-Impfschutz entwickelt

5. Dezember 2005, 13:17
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Vakzin könnte als Modell für noch nicht vorhandene Impfungen gegen Dengue-Fieber und West-Nil-Virus dienen

Wien - Wiener Wissenschafter haben ein Vakzin entwickelt, das Mäuse langfristig gegen FSME schützt und als Modell für noch nicht vorhandene Impfungen gegen das gefährliche Dengue-Fieber und das West-Nil-Virus dienen könnte. Über ihre Erfolge berichten die Experten vom Institut für Virologie der medizinischen Universität Wien in der Dezember-Ausgabe der in internationalen Fachkreisen angesehenen Fachzeitschrift "Journal of Virology".

Die Fachleute in einer Arbeitsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Christian Mandl - das Institut hat Jahrzehnte lange Erfahrung mit den Erregern der "Zeckenkrankheit" (FSME) und entwickelte ehemals auch den ersten breit anwendbaren Impfstoff dagegen - beschäftigen sich seit Jahren mit der Entwicklung von Gen-Vakzinen. Dabei soll veränderte Erbsubstanz von Krankheitserregern injiziert werden. Der Körper des Geimpften produziert dann selbst jene Antigene des Virus, auf welche das Immunsystem mit einer starken und anhaltenden Abwehrreaktion antwortet.

Starke Immunantwort

Dr. Judith Aberle und die Co-Autoren der wissenschaftlichen Arbeit wandten sich dabei der Erbsubstanz der FSME-Erreger zu. Sie veränderten sie so, dass es nach der Injektion dieser RNA bei Mäusen mit Hilfe einer "Gene-Gun" zwar in diesen Virus-ähnliche Partikel entstanden, diese können aber keine weiteren Zellen mehr infizieren. Trotzdem täuschten diese "Replikons" ohne eigene Erbsubstanz das Vorhandensein einer Infektion mit FSME vor.

Die Tiere - so die Wissenschafter - reagierten mit einer starken Immunantwort. Auch nur ein Mikrogramm der Vakzine rief eine starke Antikörper-Reaktion hervor. Außerdem kam es zur Bildung von Abwehrzellen (zytotoxische CD8-Zellen, Anm.). Die Abwehrreaktion hielt zumindest ein Jahr lang an und konnte schließlich durch eine zweite Teilimpfung noch einmal verstärkt werden.

Laut Dr. Judith Aberle und ihren Co-Autoren war diese Immunantwort nicht von einer durch eine echte FSME-Virusinfektion zu unterscheiden. Damit könnte ein solches Vakzin die Sicherheit von Tot-Impfstoffen unter Verwendung von abgetöteten Krankheitserregern oder Teilen von ihnen mit jener von Lebend-Impfstoffen aus abgeschwächten Erregern kombinieren - ohne die möglichen Sicherheitsrisiken der Letzteren aufzuweisen.

Hoffnung: Übertragbarkeit des Modells

Das FSME-Vakzin mit RNA für Replikon-Partikel ohne eigene Erbsubstanz ist allerdings nur ein Modell. Es gibt ja einen sehr gut wirksamen FSME-Impfstoff. Weil aber die Erreger von Dengue- und West-Nil-Fieber ebenfalls zur Gruppe der Flavi-Viren gehören, wollen die Wissenschafter ihre Erkenntnisse auf diese Viren übertragen. Es gibt noch keine funktionierenden Impfstoffe gegen diese beiden Erkrankungen.(APA)

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