Steiermark: Kogler folgt Lechner-Sonnek als Landeschef

28. November 2005, 21:14
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Diffuse Wünsche und Irritationen

Graz - "Ich kann nicht sagen, wann es gekippt ist, aber ich hab mich diese Woche gefragt, ob ich den Druck noch länger aushalte", begründete Ingrid Lechner-Sonnek nach sieben Jahren als Landessprecherin der steirischen Grünen am Samstag ihren Rücktritt von dieser Funktion. "In der Partei gibt es den diffusen Wunsch nach Veränderung", so Lechner-Sonnek, die noch am Donnerstag gegenüber dem STANDARD betonte, nicht wegen interner Kritik "einer Hand voll" gehen zu wollen.

Als die Medien Freitagabend zum Pressegespräch eingeladen werden, wissen enge Mitarbeiter und Kollegen Lechner-Sonneks nichts vom Rücktritt. Die Landesversammlung stellt sie nach den Medien am Samstag am Schlossberg vor vollendete Tatsachen und setzt nach, man brauche sich nicht zu freuen, denn als Abgeordnete und Clubchefin "werdet ihr mich sicher nicht los werden". Dann verlässt sie die Versammlung. "Damit hat sie sich für fünf Jahre einbetoniert", kritisiert ein Grazer Mitglied am Rande des Treffens. "Ich habe kein Mitleid mit ihr, aber Mitgefühl", meint auch der einstige Angeordnete Andreas Wabl, "sie hat einer persönlichen Verletzung Ausdruck gegeben, aber keine Weichen gestellt, da bleibt nur Irritation".

Nachfolger gilt als fix

Als Nachfolger als Landeschef gilt der Budgetsprecher der Bundes-Grünen, Werner Kogler, als fix. Er wird am Montag im Vorstand alleine kandidieren. Franz Sölkner, ein Kritiker Lechner-Sonneks, will seine Vorstandsfunktion zurücklegen: "Mir reicht es. Ich bin in diesem Konflikt völlig isoliert worden. Möglicherweise fürchtet Kogler um sein Nationalratswahlergebnis als steirischer Spitzenkandidat und hat deshalb Druck auf Lechner-Sonnek ausgeübt." Ein Vorwurf, den Kogler von sich weist, Lechner-Sonnek habe ihn "im Laufe der Woche vom Rücktritt informiert".

Für Koglers Rede über die Zukunft der Landespartei, die für die Landtagsabgeordnete Edith Zitz "seine Antrittsrede als De-facto-Landessprecher" ist, gibt es wenig Applaus der rund 100 Anwesenden. "Als Landessprecher wird er sich ausreichend in der Steiermark aufhalten müssen", bemerkt Zitz. Wabl meint skeptisch: "Ich kann ihm da nur viel Glück wünschen." (DER STANDARD, Printausgabe 28.11.2005)

Von Colette M. Schmidt
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    Rückzug als Landessprecherin - Ingrid Lechner-Sonnek will jedoch Abgeordnete im Landtag und Clubchefin bleiben.

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