Straches rechte Hand rückt auf

29. November 2005, 13:23
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Mit Harald Vilimsky sitzt ab Donnerstag ein Strache-Vertrauter und stramm-rechter Karrierist im Bundesrat

Mit Harald Vilimsky sitzt ab Donnerstag nicht nur der engste Vertraute des FPÖ-Chefs im Bundesrat, sondern auch ein stramm-rechter Karrierist mit einschlägiger Vergangenheit.

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Wien - Es wird kein schöner Auftakt für Harald Vilimsky, den neuen freiheitlichen Bundesrat. Am Donnerstag betritt er erstmals seine neue Arbeitsstätte. Er hat zwar einen Sitzplatz im Plenarsaal, aber weder einen Schreibtisch noch ein Postfach - von der Unterstützung eines Klubs ganz zu schweigen. "Ich werde ein völliger Einzelkämpfer sein müssen", meint der 39-Jährige trotzig. Geht es nach ihm, liegt seine politische Heimat natürlich im "freiheitlichen Klub". Der orange Klubobmann Herbert Scheibner hat ihn aber bereits wissen lassen, dass er das nicht so sieht. Mit Personen wie Vilimsky will das BZÖ mittlerweile nichts mehr zu tun haben.

Scheibner weiß warum: Mit dem blauen Bundesrat zieht einer der engsten Vertrauten des neuen FPÖ-Chefs Heinz Christian Strache ins Parlament. Vilimsky ist Straches rechte Hand: Der gelernte PR-Berater ist seit 2004 Landesparteisekretär der wichtigsten FPÖ-Landesgruppe in Wien und Straches persönlicher Pressesprecher in Personalunion. Auf seinem Schreibtisch laufen die - ohnehin nicht vielen organisatorischen Fäden - der Blauen zusammen, er überwacht Wahlkämpfe und den Fortschritt des blau-orangen Scheidungskriegs, den er - in seiner Funktion als Pressemann - immer wieder bissig kommentiert.

Standleitung ins blaue Hauptquartier

Vilimsky in den freiheitlichen Klub zu lassen wäre ungefähr so, wie eine Standleitung ins blaue Hauptquartier zu legen. Scheibner und er wollen sich nun auf eine "technische Allianz" einigen: der Strache-Mann wird wohl ein Kammerl zum Arbeiten bekommen, aber vom Informationsfluss abgeschnitten bleiben.

Vilimsky ist aber auch der Prototyp jener Generation von neuen Rechten, die im Windschatten der Parteispaltung an die Schalthebel der Blauen gelangt sind.

Zur "Sonne des Deutschtums"

Die Wiener Landesgruppe zählt zu den radikalsten innerhalb der Freiheitlichen, durchwachsen von burschenschaftlichen und deutschnationalen Traditionen. Sowohl der blaue Landtagsabgeordnete Harald Stefan, der als wichtiger Stichwortgeber Straches gilt, wie der Bezirksrat Dietbert Kowarik sind Mitglieder der Burschenschaft Olympia. Stefans Vater Friedrich, "Alter Herr" der Olympia, wurde von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) zum Unirat befördert. Vilimsky publizierte einst in der Zeitung "Der Völkerfreund".

Die "Österreichische Gesellschaft für Völkerfreunde" wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als "kulturell-ideologisch orientierte, rechtsextreme Kleingruppe, vordergründig humanitär ausgerichtet, mit starken Kontakten sowohl zu neonazistischen Gruppen als auch zur FPÖ" eingestuft. Seinen 1988 erschienen Artikel über Deutsch-Chilenen beendete Vilimsky mit den schwülstigen Worten "Erheben wir die Häupter, um die Sonne des Deutschtums in altem hellem Licht wiedererstrahlen zu lassen".

"Eine poetische Jugendformulierung", meint er heute dazu. Von seinem Text distanziert er sich: "Man hat das Recht auf Verjährung. Der Vorwurf, ich sei ein Rechtsextremist, ist absurd. Das will und kann ich mir nicht gefallen lassen." (DER STANDARD, Printausgabe 28.11.2005)

Von Barbara Tóth
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    FP-Chef Heinz-Christian Strache und Harald Vilimsky sind enge Vertraute. Auch deshalb will Klubobmann Herbert Scheibner den neuen FP-Bundesrat nicht im Klub haben.

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