US-Militär gibt Verbrennung von Leichen getöteter Taliban zu

6. Dezember 2005, 21:41
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Ein Soldat bei Bombenexplosion in Afghanistan gestorben

Kabul - Die US-Armee in Afghanistan hat nach massiver Kritik zugegeben, dass amerikanische Soldaten in der Provinz Kandahar die Leichen getöteter Taliban-Kämpfer verbrannt haben. Dies wird in Afghanistan als Entehrung betrachtet. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Militärs heißt es, die Leichen zweier getöteter Taliban seien nach einem Gefecht Anfang Oktober aus "Hygienegründen" verbrannt worden, da es sehr heiß gewesen sei und der felsige Untergrund eine Beerdigung nicht ermöglicht habe.

Die Verbrennung zeige "schlechtes Urteilsvermögen", verstoße aber nicht gegen Gesetze, hieß es weiter. Anschließend habe ein Team für psychologische Kriegsführung beschlossen, die Verbrennung über Lautsprecher den in den umliegenden Bergen versteckten Kämpfern der radikal-islamistischen Organisation zu verkünden. Die interne Untersuchung habe aber klar gezeigt, dass die Leichen nicht zu dem Zweck verbrannt wurden, um "Material" für die psychologische Kriegsführung zu haben.

"Feige Hunde"

Der australische Fernsehsender SBS hatte einen Bericht gezeigt, in dem US-Soldaten nach Angaben des Senders zwei nach Mekka ausgerichtete Leichen von Taliban-Kämpfern verbrennen. Ein Feldwebel hatte sich dabei demnach über Lautsprecher an Rebellen in der Umgebung gewandt und gerufen: "Achtung, Taliban, ihr seid alle feige Hunde. Ihr habt zugelassen, dass eure Kämpfer nach Westen ausgerichtet und verbrannt wurden. Ihr seid zu ängstlich, herunterzukommen und ihre Leichen zurückzuholen." Der afghanische Präsident Hamid Karzai hatte die Verbrennung der Leichen kritisiert und eine vom US-Militär unabhängige Untersuchung angekündigt.

Bei neuen Gewalttaten in Afghanistan starb am Wochenende ein schwedischer Soldat. Der Soldat sei seinen Verletzungen erlegen, die er bei einer Bombenexplosion erlitten hatte, gab die NATO-geführte Internationale Schutztruppe ISAF am Samstag in Kabul bekannt. Drei weitere schwedische Soldaten erlitten Verletzungen und wurden in deutschen Militärkrankenhäusern in Kabul und im Nachbarland Usbekistan behandelt. Die Schweden waren auf eine Patrouillenfahrt in der Nähe der nordafghanischen Stadt Mazar-i-Sharif, als eine am Wegrand versteckte Bombe ferngezündetet wurde. (APA)

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    Das US-Militär sah sich massiver internationaler Kritik gegenüber - in einer Pressekonferenz am Samstag wurde die Verbrennung mit Hygienemaßnahmen begründet.

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