Angehörige von NS-Opfern aus Stuttgart gesucht

2. Dezember 2005, 16:57
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Im September wurden 34 Leichen in Massengrab gefunden - Yad Vashem will Beisetzung in Israel erreichen

Jerusalem - Eine israelische Holocaust-Gedenkstätte sucht nach Angehörigen von 34 vermutlich jüdischen NS-Opfern, deren Leichen im September in einem Massengrab bei Stuttgart gefunden worden waren. Nadia Cohen, Sprecherin von Yad Vashem, in Jerusalem sprach am Sonntag von einem sehr "seltenen Fall", in dem es gute Aussichten auf eine Identifizierung gebe. Die israelische Zeitung "Haaretz" meldete am Sonntag, die sterblichen Überreste könnten in Israel beigesetzt werden, sollten sich Verwandte finden. Deutsche und israelische Teams ermittelten gemeinsam in der Sache.

Möglicherweise Gefangene des NS-Arbeitslagers Echterdingen

Das Massengrab war im September von Arbeitern am Stuttgarter Flughafen gefunden worden. Es könnte sich um jüdische Gefangene des NS-Arbeitslagers Echterdingen handeln. Bisher war eine Beerdigung der 34 Opfer in Särgen an der Fundstelle geplant gewesen.

Die Sprecherin von Yad Vashem sagte, in diesem Fall könne man die Identität der Opfer ziemlich genau bestimmen. Es gebe eine Liste von 620 Insassen des Arbeitslagers, von denen aber 385 nach Buchenwald weitergeschickt wurden. Man konzentriere sich daher bei der Suche auf die Namen von 235 verbleibenden jüdischen Zwangsarbeitern. "Wir suchen nicht eine Leiche unter einer Million", erklärte die Sprecherin, "wir suchen 35 unter etwas mehr als 200". Die Suche erfolge auch mit Hilfe von "Gedenkblättern", die Holocaust-Überlebende seit den 50er Jahren im Gedenken an ihre ermordeten Angehörigen in Yad Vashem hinterlegt haben.

Zeitliche Periode

Die jüdischen Zwangsarbeiter seien in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum in dem Lager in Echterdingen gewesen, zwischen Oktober 1944 und Jänner 1945, sagte Cohen. Sie seien über den Umweg des Vernichtungslager Auschwitz dorthin gekommen und stammten überwiegend aus den Niederlanden, Frankreich, Griechenland und Ungarn. Die Sprecherin äußerte sich zuversichtlich über die Möglichkeit, überlebende Angehörige zu finden. "Gerade eben sprach ich am Telefon mit einem Mann, der glaubt, dass sein Vater dort war." (APA/dpa)

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