"Da werden die Haxen leicht"

4. Dezember 2005, 19:40
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Mario Stecher sprintete bei den Nordischen Kom­binierern in Kuusamo von Rang neun an die Spi­tze und gewann erstmals nach sie­ben Jahren

Kuusamo - Die von Hannu Manninen angeführte Verfolgergruppe dampfte heran, doch Mario Stecher wählte den Angriff als beste Verteidigung. "Ich habe in der letzten Runde gerochen, dass ich gewinnen kann", erklärte der 28-jährige Steirer, nachdem er im Sprintbewerb der Nordischen Kombination in Kuusamo von Rang neun nach dem Springen zu seinem achten Weltcupsieg gelaufen war. Nach siebeneinhalb Jahren stand der Vize-Weltmeister von Ramsau 1999 wieder ganz oben auf dem Podest.

"Beharrlichkeit" nennt ÖSV-Cheftrainer Günther Chromecek einen wesentlichen Charakterzug von Stecher, der viele Tiefschläge überwinden musste. "Er hat immer an sich selbst geglaubt und hart weitergearbeitet." Wenn einer einmal ganz oben gewesen sei, sei es für einen Trainer leichter, ihn wieder dorthin zu bringen, versichert der Coach. Stecher hatte nach seinem Premierensieg am Holmenkollen mit nicht einmal 17 Jahren als Wunderkind gegolten, bis Saisonende 1997/98 gelangen ihm sieben Siege, 1999 folgte WM-Silber in Ramsau.

Ein im März 2000 erlittener Kreuzbandriss warf den Eisenerzer weit zurück. "Ich habe dazwischen immer wieder gute Resultate geschafft, aber für ganz oben hat es nicht gereicht", erklärte Stecher, der 2003 keinen Platz im späteren Weltmeister-Team gefunden hatte. Dass er am Sonntag als erster ÖSV-Nordischer in der Olympia-Saison ganz oben auf dem Podest stand, kam auch für ihn selbst überraschend.

Entscheidung auf der letzten Steigung

Im Finish spielte Stecher seine taktische Stärke und Routine aus. Als die Top-Favoriten bedrohlich näher kamen, griff er bergauf laufend aus der Verfolgergruppe an, schloss zu Spitzenreiter Tande auf und distanzierte den Team-Weltmeister von Oberstdorf in der letzten Steigung. "Wenn man vorne ist, werden andere Kräfte frei, da sind meine Haxn ganz leicht geworden, es war eine Freude zu laufen", erklärte Stecher nach seinem Sieg mit 4,0 Sekunden Vorsprung.

Doch auch in der Stunde des Triumphes blieb der Ex-Junioren-Weltmeister realistisch. "Dass ich gewonnen habe, ist wunderschön, aber derzeit gehöre ich eigentlich auf einen Platz zwischen fünf und zehn. Das will ich in den nächsten Rennen stabil zeigen", sagte Stecher. Für ihn sei wichtig, im Springen locker zu bleiben. "Ab Samstag habe ich es nach gutem Training zu sehr mit der Brechstange versucht", meinte er mit Blick auf Rang 20 zum Auftakt.

Chromecek hatte auch anderen Grund zur Freude. Während Auftakt-Sieger Hannu Manninen (30. im Springen) hinter dem Deutschen Georg Hettich (6,2) Rang vier belegte (11,6 zurück) und als Pokalverteidiger die Gesamtwertung vor Tande und Stecher anführt, verbesserte sich Felix Gottwald im Sog des Finnen von Rang 23 auf 6. Und Willi Denifl kam in seinem erst zweiten Bewerb nach einem Unterschenkelbruch im Springen auf Rang 16 (Gesamtrang 27), David Kreiner bewies als 25. ebenfalls Aufwärtstendenz. (APA)

Ergebnisse des Sprintbewerbs zum Weltcup der Nordischen Kombination in Kuusamo am Sonntag - Endstand nach Springen (1 Durchgang/HS 142) und 7,5-km-Langlauf:

1. Mario Stecher (AUT) 19:18,2 (9.im Springen/9. im Langlauf) - 2. Petter Tande (NOR) 4,0 Sekunden zurück (2./23.) - 3. Georg Hettich (GER) 6,2 (7./15.) - 4. Hannu Manninen (FIN) 11,6 (30./1.) - 5. Magus Moan (NOR) 12,2 (28./2.) - 6. Felix Gottwald (AUT) 13,0 (23./3.) - 7. Kristian Hammer (NOR) 16,1 (19./4.) - 8. Thorsten Schmitt (GER) 17,3 (7./20.) - 9. Jaakko Tallus (FIN) 17,3 (6./21.) - 10. Anssi Koivuranta (FIN) 17,8 (3./24.) ... 14. Christoph Bieler (AUT) 33,4 (10./22.) - 16. Ronny Ackermann (GER) 55,2 (25./8.) - 25. David Kreiner 1:26,7 (22./25.) - 27. Willi Denifl 1:36,2 (16./37.) - 33. Michael Gruber (alle AUT) 2:02,9 (26./35.)

Weltcupstand nach 2 Bewerben: 1. Manninen 150 - 2. Tande 140 - 3. Stecher 111 - 4. Koivuranta 106 - 5. Moan 90 - 6. Gottwald 80 ... 11. Bieler 50 - 18. Gruber 26 - 27. Kreiner 13 - 33. Denifl 4

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    Beharrlich trotzte das ehemalige Wunderkind Mario Stecher allen Widrigkeiten. Nun folgte die Belohnung in Form des achten Sieges in einem Weltcup-Bewerb.

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