Wasser in Harbin fließt wieder

28. November 2005, 17:43
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Benzol-Teppich passierte chinesische Millionenstadt - Kontaminiertes Wasser treibt auf Russland zu

Harbin - Die Bewohner der von einem Chemieunfall betroffenen chinesischen Stadt Harbin haben seit Sonntag wieder fließendes Wasser. Die Versorgung wurde um 18.00 Uhr (Ortszeit; 11.00 MEZ) wiederhergestellt, fünf Stunden früher als geplant, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Es war zunächst nicht klar, ob bereits die gesamte Stadt wieder versorgt werden konnte. Zuvor hatte Xinhua berichtet, der 80 Kilometer lange Teppich aus giftigem Benzol auf dem Fluss Songhua habe die Stadt passiert.

Wasser in Songhua noch nicht trinkbar

Eine Untersuchung der Wasserproben ergab nach Angaben der städtischen Behörden, dass die Benzol-Konzentration im Songhua wieder unter die amtlichen Grenzwerte fiel. Die örtliche Tageszeitung warnte jedoch, das Leitungswasser dürfe zunächst nicht getrunken werden, auch nicht, wenn es abgekocht werde.

Die Menschen standen auch am Sonntag in eisiger Kälte wieder Schlange, um ihre Eimer und Töpfe mit Trinkwasser zu füllen, das von der Regierung kostenlos abgegeben wurde. Das Leitungswasser in Harbin war fünf Tage zuvor abgestellt worden, um die Menschen vor dem Benzol zu schützen.

Jiabao will Verantwortliche bestrafen

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte am Samstag überraschend Harbin besucht. Er dankte Soldaten für ihren Einsatz und sicherte eine Untersuchung des Unfalls zu. Sein Besuch wurde auch als Warnung für die lokalen Behörden verstanden, die wegen ihrer Informationspolitik und ihres Krisenmanagements massiv in die Kritik geraten waren. Der Politiker kündigte die Bestrafung der Verantwortlichen an.

Der WWF hat China aufgefordert, die Schadstoffeinleitungen in den Songhua-Fluss zu verringern. "Die Chemie-Katastrophe zeigt nur die Spitze des Eisbergs chinesischer Umweltsünden", erklärte WWF-Deutschland-Süßwasserexperte Martin Geiger am Sonntag. Nach Angaben des WWF ist der Songhua auch ohne das Benzol, das vor zwei Wochen bei einem Unfall in einer Chemiefabrik austrat, einer der dreckigsten Flüsse Chinas. "Der Songhua-Fluss gleicht einer Kloake", sagte Geiger.

Entschuldigung an Russland

Beim Nachbarland Russland entschuldigte sich China für die möglichen Folgen des Chemieunfalls. Das staatliche Fernsehen berichtete am Samstag über ein Treffen des chinesischen Außenministers Li Zhaoxing mit dem russischen Botschafter Sergej Rassow. Der Minister habe sein Bedauern über die möglichen Konsequenzen für das russische Volk flussabwärts zum Ausdruck gebracht, hieß es. Rassow forderte Peking auf, alle Informationen über die Verseuchung offen zu legen, wie Nachrichtenagenturen berichteten. Die Reaktion auf das Unglück hätte wirksamer sein können, wenn Russland früher informiert gewesen wäre.

Ermittler untersuchten am Samstag die Chemiefabrik, die am 13. November explodierte. Nach Regierungsangaben flossen rund 100 Tonnen giftiges Benzol in den Songhua. Der Songhua fließt in den Heilong, der hinter der russischen Grenze zum Amur wird und die Stadt Chabarowsk erreicht. Dort richteten sich die Menschen bereits auf eine Wasserknappheit ein. (APA/AP/dpa)

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    Auch am Sonntag bildeten sich trotz Entschärfung der Lage lange Schlangen vor den Wasservergabestellen in Harbin.

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