Sunnyi Melles erhält "Nestroy"

27. November 2005, 18:19
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"Beste Ausstattung": "Xenos"-Team - "Lebenswerk"-Preis an Michael Heltau - "Beste Regie": Christoph Marthaler

Wien - Am Samstag Abend wurden zum sechsten Mal die "Nestroy"-Theaterpreise verliehen. In diesem Jahr war das Wiener Volkstheater Schauplatz der Gala. Die Auszeichnung wurde in elf Kategorien vergeben.

"Lebenswerk"-Preis an Michael Heltau

Michael Heltau erhielt den "Lebenswerk"-Preis, Franzobel den "Autorenpreis" für sein Stück "Hunt oder Der totale Februar", und der "Off-Preis" ging an das Wiener Rabenhoftheater. Die ersten Standing Ovations des Abends erhielt jedoch kein Preisträger, sondern ein Geburtstagskind: Burgtheater-Doyenne Annemarie Düringer, die am Samstag ihren 80. Geburtstag feierte.

"Beste Schauspielerin": Sunnyi Melles

Zur "Besten Schauspielerin" wurde Sunnyi Melles für ihre Rolle der Valerie in der Salzburger Festspiele-Produktion von Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald" (Regie: Barbara Frey, koproduziert vom Bayerischen Staatsschauspiel München). "Ich bin so glücklich", waren die ersten Worte der von Rührung übermannten Preisträgerin. "Das ist für dich, Mama", widmete sie den Preis ihrer Mutter.

"Beste Schauspieler"

"Bester Schauspieler" wurde überraschend ex aequo Michael Maertens für seine Darstellung des Rudolf in "König Ottokars Glück und Ende" und seinen "Algernon" in "Ernst ist das Leben" im Akademietheater sowie Nicholas Ofczarek für die Rolle des Johann in Nestroys "Zu ebener Erde und erster Stock" im Burgtheater. Nur Tobias Moretti ging für seinen Ottokar in "König Ottokars Glück und Ende" leer aus. "Jetzt hab ich ihn endlich, jetzt hab ich ihn aber nicht alleine. Das ist aber auch gemein für Tobias, da hätte man aber auch drei machen können!", meinte Maertens und brillierte gemeinsam mit Ofczarek in einer Doppelconference. Dieser meinte, ein Schauspieler sei nur so gut wie das ganze Team, daher teile er diesen Preis gleich mit allen Schauspielern dieser Welt.

Preisträger der Kategorie "Beste Ausstattung" wurde das Team Ulrike Kaufmann, Max Kaufmann, Antonio Nodari und Erwin Piplits für die Produktion "Xenos" im Serapionstheater.

Die Auszeichnung für die "Beste Nebenrolle" ging an die 78-jährige Erni Mangold für ihr Schneewittchen in Alexander Kubelkas Inszenierung von Jelineks "Prinzessinnendramen" im Volkstheater. "Na, das war ja enorm", quittierte sie in ihrer Dankesrede den Preis und den langen Applaus. Sie habe sich so schön gemacht, dass sie sich im Spiegel kaum erkannt habe. "In meinem Alter muss man einheimsen!" Dass sie nun "ein bisschen Gloria und Schein" habe, "finde ich fein".

"Beste Regie" an Christoph Marthaler

Der "Nestroy" für die "Beste Regie" ging an Christoph Marthaler für seine Wiener Festwochen-Produktion "Schutz vor der Zukunft" im Jugendstiltheater. Für den abwesenden Regisseur nahm Markus Hinterhäuser den Preis entgegen. Die ebenfalls nominierten Regisseure Nicolas Stemann und Martin Kusej gingen leer aus.

Thomas Gratzer übernahm gemeinsam mit seinem gesamten "Rabenhof"-Team den "Best Off"-Nestroy. Er dankte nicht nur sämtlichen Künstlern der abgelaufenen Saison, sondern auch dem Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, der Vertrauen in die Bühne auch in einer Zeit gehabt habe, "als in Wien kaum jemand einen Cent auf uns gewettet hätte".

"Autorenpreis" für Franzobel

Autor Franzobel erhielt seinen "Autorenpreis" für "Hunt oder Der totale Februar" aus den Händen seines Uraufführungs-Regisseurs Georg Schmiedleitner, der meinte, dieser sei "ein freundlicher, bescheidener, oft schmunzelnder Mensch, dem man die Drastik seiner Sprache nicht ansieht". Franzobel dankte u.a. den Zeitzeugen, denen er beim Schreiben seines über die Februarkämpfe des Hausruck 1934 handelnden Stückes begegnet sei. "Wir dürfen aber nicht glauben, dass unsere Gesellschaft so glamourös und witzig ist, wie sie sich heute Abend vielleicht darstellt", meinte er, und sorgte mit Bemerkungen über die Behandlung von Schwarzen und Asylbewerbern sowie über das von Bruce Willis angeblich ausgesetzte Kopfgeld auf Al Kaida-Führer für die bisher einzige politische Note dieses Gala-Abends.

Der "Spezialpreis" ging an die Produktion "Hunt oder Der totale Februar" des Theaters im Hausruck als exemplarische regionale Initiative. Regisseur Georg Schmiedleitner bedankte sich bei allen Mitwirkenden, freute sich über "eine politische Theaterarbeit mit einem Thema, das eine ganze Region bewegt und in Diskussion versetzt hat", und kündigte eine Wiederaufnahme im kommenden Sommer an. Mit ihm nahm Vereinsobmann Roland König den Preis entgegen.

"Die Nibelungen"

Zur "Besten deutschsprachigen Aufführung" wurde Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Hebbels "Die Nibelungen" an den Kammerspielen München gekürt. Sie schlug damit die ebenfalls nominierten Aufführungen von "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" am Deutschen Theater Berlin (Regie: Jürgen Gosch) sowie Christoph Marthalers "Schutz vor der Zukunft"-Produktion der Wiener Festwochen aus dem Feld. Marthaler war jedoch zuvor als bester Regisseur ausgezeichnet worden. Kammerspiele-Intendant Frank Baumbauer und Regisseur Kriegenburg nahmen den Preis entgegen. (APA)

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    Sunnyi Melles in Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald"

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    Die Nestroy-PreisträgerInnen 2005 v.l.n.r.: Sunnyi Melles 'Beste Schauspielerin', Michael Heltau 'Lebenswerk', Erni Mangold 'Beste Nebenrolle' und Michael Maertens 'Bester Schauspieler'

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