Das Kopfweh hinter dem Lächeln

15. Oktober 2006, 19:07
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Niemand inszeniert und meistert überflüssige Wickel so grandios wie Austria Wien

Wien - Er kam aus dem Aufzug wie der Herr der Stadt, der er ist. Langsam, lächelnd, lässig. Michael Häupl skizzierte vor Beginn von Austrias Generalversammlung (GV) die Ergebnisse der Kuratoriumssitzung: "Wir ziehen wieder an einem Strang. Der Misstrauensantrag der Gruppe Denk wird zurückgezogen. Es herrscht wieder Friede, alle Austrianer sind aufgerufen, zur finanziellen Sicherheit der Austria beizutragen." Aber alles Wesentliche werde Präsident Peter Langer sagen. Langer bestätigte vor und nach der GV das Wesentliche. Auch den Verbleib von Peter Stöger als Sportchef bis zum Ende der Herbstsaison. Langer: "Dann werden wir bilanzieren." Mit Ivica Osim habe kein Mittagessen stattgefunden.

Der komische Eindruck blieb. Das stritt auch Vizepräsident Andreas Rudas nicht ab, der künftig für die WAZ das Ostgeschäft überwachen soll und der Magna Ade sagt. Statt der GV die Sache demokratisch zu überantworten und Denk scheitern zu lassen, wurde das Problem hinter Polstertüren geregelt, die Mitglieder durften alles abnicken. Ein Saal voller Kaufleute, Unternehmer, Gewerbetreibender, Intelligenzler freute sich über den Abschied des ungeliebten Autokraten Stronach. Und war gleichzeitig angefressen über die Probleme. Anlauf zum Klubselbstmord. Aber nur bis zum Schädelweh und Spott.

Denk mit den leeren Händen, der den Exodus von Betriebsführer Frank Stronach (per 30. 6. 2007) provoziert hatte, legte weder eine Sponsorenliste noch eine Bankgarantie vor. Sein Plädoyer war eine Blamage, seine Rechtfertigung nach der Versammlung erst recht. Dennoch sitzen er und ein Vertrauter mit Präsident Langer sowie Manfred Mautner Markhof (Verwaltungsrats-Vorsitz) und Kuratoriumsvorsitzendem Häupl in der Sponsoren-Findungs-Kommission. Nach wie vor schäumen Fans gegen das Präsidium, ein Mitglied sammelte einschlägige 7000 Unterschriften. Die Westtribünen-Parole: "Denk wurde zum Schweigen gebracht, bevor er was vorlegen konnte."

Wie Ex-Präsident Leopold Böhm voraussagte, ist Häupl der Schlüssel zu Austrias Überleben. Als Stronachs Gesprächspartner über den Modus der zukünftigen Zusammenarbeit. Und als Bauherr des Stadions im Süden Wiens, das den Schlüssel zum Verständnis der ganzen "Kabale ohne Liebe" bilden könnte. Kann das Stadion wer anderer als Stronach bauen? "Aber ja", polterte Häupl, "wenn Sie mir einen sagen können?" Und wippte vor Lachen gefährlich weit nach hinten. "Dort entwickeln wir ein Einkaufszentrum, mit und ohne Stadion." (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 26.11.2005)

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