Wettbremsen im Abschlusstraining

26. November 2005, 22:02
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Kritik von Walchhofer und Miller am Startnummern-Poker - Amerikaner bekräftigt Doping-Standpunkt - Maier im Kommen

Lake Louise - Der norwegische Routinier Kjetil Andre Aamodt hat sich als Schnellster des Qualifikationstrainings die Nummer 30 für die erste Saisonabfahrt am Samstag in Lake Louise (20.30 Uhr MEZ) gesichert. Hermann Maier zeigte als Zweitschnellster (+0,28 Sek.) erstmals auch in der Abfahrt auf, fuhr aber wie Aamodt "voll". Die Topfavoriten Antoine Deneriaz, Bode Miller und Michael Walchhofer belegten trotz heftiger Bremsschwünge vor dem Ziel die Plätze drei, fünf und acht.

Walchhofer einer der Schnellsten

Walchhofer lag im Abschlusstraining bis zur zweiten Zwischenzeit sogar klar voran. "Dann habe ich es zu sehr mit der Brechstange probiert, bin zu direkt gefahren", machte der Salzburger klar, dass er nun aber die optimale Rennlinie kennt und zudem noch Reserven hat. Deshalb beharrte er darauf, dass Miller am Samstag nicht gewinnen werde. Aber über mögliche Favoriten zu diskutieren sei müßig, "weil speziell vor der ersten Abfahrt ohnehin alle bluffen." Zudem drohe für Samstag ohnehin ein Wetterumschwung.

Maier aber auch Benjamin Raich verzichteten aufs Bremsen und überraschten mit den Plätzen zwei und sechs. "Ich bin zufrieden, weil es jeden Tag aufwärts geht", sagte Maier, warnte aber auch. "Ich bin voll gefahren, also darf man sich nicht täuschen lassen. Ich denke schon weiter in die Saison und rechne mir wirklich erst etwas für den Super G am Sonntag aus." Auch Raich war happy. "Ich war zuvor im Training 45. Ich musste sowieso Gas geben, um in die Top-30 zu kommen. Aber es ist schön zu sehen, dass ich in der Abfahrt wieder deutliche Fortschritte gemacht habe."

"Das Lächerlichste was es gibt"

Das erste Qualifikationstraining in der Olympia-Saison war sofort wieder Thema für viel Kritik bei den Läufern. Während Walchhofer seinen ablehnenden Standpunkt ("Es gehört viel Glück dazu, eine gute Nummer heraus zu fahren. Das ist nicht sportlich") wiederholte und Verbesserungs-Vorschläge ("Wählen lassen oder die 30 des letzten Rennens umdrehen") machte, teilte Miller kräftig in Richtung FIS aus. "So etwas hat in einem professionellen Sport nichts verloren. Das ist das Lächerlichste, was es gibt."

Und das war noch der harmlose Teil dessen, was der US-Skistar nach Tagen des Schweigens im Zielraum der Abfahrt so von sich ließ. Speziell zu seinem aktuellen Lieblingsthema Doping ließ Miller voll vom Stapel. Er bezeichnete das derzeitige Dopingsystem dabei zum wiederholten Male als "krank, entwürdigend und unmenschlich".

Sport ist nicht fair

Doping, wiederholte Miller seine bekannten Standpunkte, solle die Gesundheit und nicht Fairness zur Basis haben, "denn Sport ist nicht fair." Miller prangerte an, dass man jeden Athleten "sabotieren" könne. Dass WADA-Chef Dick Pound ein Drittel aller NHL-Hockeyspieler der Einnahme verbotener Mittel beschuldigt hatte, löste bei Miller Kopfschütteln aus. "Jene Menschen, die das behaupten, nehmen diese Drogen wahrscheinlich selbst. Dick Pound inklusive." (APA)

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    Michael Walchhofer beschwerte sich über das Wettbremsen.

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