Die Bacherschule hofft auf Begleitung

21. Dezember 2005, 10:57
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Derzeit gibt es für rund 240 Schüler keine ausgebildeten Lehrer für sprachliche Förderung

Elf Klassen, vier davon so genannte "Integrationsklassen", bestückt mit rund 300 Schülern, betreut von 33 Lehrern - die Hauptschule "Viktor-Christ-Gasse", auch Bacherschule genannt, im fünften Wiener Gemeindebezirk.

Was die Bacher- von einigen anderen Schulen unterscheidet: Rund 80 Prozent der Kinder haben Deutsch nicht als Muttersprache, sind also mehrsprachig. Nur rund zehn Prozent von ihnen verstehen wenig bis gar kein Deutsch und haben dadurch schulische Probleme. Begleitlehrer, die sich um ihre sprachliche Integration kümmern, gibt es nicht. Direktor Leopold Plasch muss mangels Ressourcen jene Lehrer einsetzen, die nicht über eine entsprechende Zusatzausbildung verfügen.

Umschichten statt Fördern

In Deutsch, Mathematik und Englisch will der Direktor das "Teamteaching" (zwei Lehrer kümmern sich gleichzeitig um die Klasse) auf jeden Fall weiterführen. Deutschunterricht für jene 15 Schüler, die überhaupt keine Deutschkenntnisse besitzen, gibt es daher nur sporadisch. "Da könnte ich nur umschichten", meint Plasch - und zwar zulasten anderer Kernbereiche.

Fächer wie "soziales Lernen", das es an der Bacherschule quer durch alle Klassen gibt, würden dann wahrscheinlich als erste gestrichen. Und das will der Direktor nicht: "Das kommt so gut an. Probleme werden dadurch im Rahmen der Klasse, nicht aber auf Kosten des Unterrichts besprochen."

Was man sich auch unbedingt leisten will: Den Muttersprachenunterricht, der derzeit allerdings nur auf Türkisch geführt wird. Dieses permanente Angebot ist wichtig: Schließlich müssen die Kinder erst einmal über Grundkenntnisse in der Erstsprache verfügen, bevor sie komplexe Zusammenhänge in der Zweitsprache verstehen können. Die Integration von Kindern mit nicht deutscher Muttersprache ist immerhin ein wesentlicher Teil des Schulprofils. Bloß: "In den letzten zwei, drei Jahren wurde der Schule einiges an Qualität weggenommen", beklagt Plasch, der trotz seiner Rollenbeschränkung auf die des "Mangelverwalters" Hoffnung hat: "Vielleicht bekomme ich doch zumindest einen halben Begleitlehrer." (DER STANDARD-Printausgabe, 26.11.2005)

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