Libyen: 40.000 Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa aufgegriffen

16. Dezember 2005, 09:40
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Vorwurf der Untätigkeit zurückgewiesen

Rom - Libyen hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr bereits mehr als 40.000 Flüchtlinge aufgegriffen, die von dem nordafrikanischen Land aus nach Europa gelangen wollten.

Dies sei ein weiterer Anstieg gegenüber den Vorjahren und der Flüchtlingsstrom aus Afrika nehme auch aktuell noch zu, sagte der libysche Innenminister Naser al-Mabrouk Abdallah am Freitag in Rom. Während Libyen 2001 noch 4270 illegale Einwanderer auf dem Weg nach Europa aufgehalten habe, sei die Zahl im vergangenen Jahr auf 40.000 gestiegen. 2005 sei diese Marke bereits Ende September überschritten worden.

Libyen war vorgeworfen worden, nicht genug gegen den Ansturm zu tun. Das Land ist einer der Hauptausgangspunkte für Flüchtlinge, die aus Afrika nach Europa gelangen wollen. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge, die von Libyen aus über das Mittelmeer nach Italien, Spanien und Malta gelangen wollen, ist unbekannt. In der Politik ist verstärkt der Ruf nach koordiniertem Vorgehen gegen den Flüchtlingsstrom laut geworden.

Libyen tue in dieser Frage alles dem Land mögliche, sagte der Minister bei einer Pressekonferenz mit seinem italienischen Kollegen Guiseppe Pisanu. "Libyen kann die Folgen der illegalen Einwanderung aber nur in dem Maß bewältigen, wie es auch Europa tut."

Italien und Libyen haben ein Abkommen, das Libyen zu einer effektiveren Überwachung seiner Küsten verpflichtet. Auch muss Libyen illegale Einwanderer in ihre Heimat zurückbringen, die bereits die italienische Küste erreicht haben. Die Vereinbarung wird von Menschenrechtsgruppen und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) kritisiert. (APA/Reuters)

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