Mehr Beilagen auf dem Kinderteller

19. Juni 2006, 14:56
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Alleinerzieher wünschen sich im Hotel ein Kinderprogramm, das den Namen verdient

Dorian hatte Herbstferien. Seine Mutter eigentlich nicht. Aber was kann eine Alleinerzieherin schon tun? Nicht viel mehr, als den "Zwangsurlaub" so zu planen, dass auch sie selbst ein bisschen Erholung ergattert - also nicht rund um die Uhr Alleinunterhalterin für den Nachwuchs spielen muss. Sie sucht folglich ein Hotel, das einerseits Spaß und Betreuung für den Sechsjährigen bietet, andererseits auch Wellness für sie selbst.

Marktnische "Single mit Kind(ern)"

Weil Dorians Mutter kein Einzelfall ist und mittlerweile viele österreichische Hotels die Marktnische "Single mit Kind(ern)" als solche erkannt haben, ist die Auswahl groß - zwei Häuser wurden getestet: So unterschiedlich das Wellness- und Sporthotel Alpina in St. Johann im Pongau und die Tonnerhütte am steirischen Zirbitzkogel sich auch auf den ersten Blick präsentieren - vergleichbar ist doch einiges. Zum Beispiel die Herzlichkeit, mit der beide Besitzerfamilien ihre großen und kleinen Gäste begrüßen und umsorgen. Oder die Spielzimmer und -plätze und die großzügigen Wellnessbereiche. Auch die Schnitzel-Pommes-Ketchup-Kombi, die es (unter anderem) als Alternative zum elterlichen Vier-Gänge-Wahlmenü gibt, schmeckt Dorian in den Zirbenstuben beider Häuser gleichermaßen.

Selbstbedienungssaftbar oder Lagunenbad mit Wasserfall

Und selbst da, wo sich die 1937 errichtete, ehemalige Almhütte beträchtlich vom Salzburger Luxushotel unterscheidet, können Mutter und Sohn beiden Häusern viel Positives abgewinnen. So planscht man im Alpina indoor im großzügigen Lagunenbad mit Wasserfall und Bodensprudel (bzw. die Kids im Kinderbecken), während man in der Tonnerhütte outdoor die Wahl zwischen dem Schwimmteich und dem beheizten Holzschaffelbad hat.

Zugegeben: Mit den Zapfhähnen im Alpina-Restaurant, aus dem die Junioren eigen(patsch)händig schier unendliche Mengen an Fanta holen, kann die Tonnerhütten-Selbstbedienungssaftbar mit ihren normalen Glaskrügen nicht wirklich mithalten. Dafür geht dort "tierisch" die Post ab: Ziegen und Schweine, Esel und Ponys, Hasen und Hendeln gilt es täglich zu füttern und zu streicheln, und wem Eselreiten zu minder ist, dem stehen im nächsten Dorf Haflinger zur Verfügung.

Apropos Sport: Mitten in der Salzburger Skiwelt Amadé und unmittelbar neben der Gondelstation Alpendorf gelegen, lockt das Alpina natürlich Skibegeisterte jeden Alters an. Im Gegensatz dazu ist der Zirbitzkogel nicht gerade als Pisten-Eldorado berühmt, aber der zur Tonnerhütte gehörende Schlepplift hat auch seine Meriten: Da er praktisch ausschließlich von den Bewohnern der 16 Gästezimmer benützt wird, kennt man den Begriff "Warteschlange" dort nicht. Auch die drei eher anspruchslosen Abfahrten wirken auf Eltern von Skianfängern durchaus beruhigend. Generell hat sich die Tonnerhütte auf ein alternatives Programm spezialisiert: Nordic Walking statt Tennis, Rodeln statt Fitness-Studio. Schneeschuhwandern statt Squash.

Ein Resümee? Schwierig. Dorian erklärt auf die Frage, wo es ihm besser gefallen habe, salomonisch: "In beiden." (Der Standard, Printausgabe 26./27.11.2005)

Von Marie-Thérèse Gudenus

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