Die Qual der Geschenkewahl

9. Dezember 2005, 21:59
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Haustiere und Krawatten unter dem Christbaum lösen Horror aus - Trend zu "Freizeitgeschenken" – Handel erwartet Umsatzplus

Wien – Das Risiko, bei der Geschenkwahl ins Fettnäpfchen zu treten, lässt sich nicht völlig ausräumen – eines kann jedoch vorweg festgestellt werden: Hund, Katz' oder Hamster sind eine haarige Angelegenheit, wenn sie unter dem Christbaum sitzen und haben dort genauso wenig verloren wie Krawatte, Küchenmaschine und – no na – Geschenke, mit denen man schon im Vorjahr beglückt wurde. Das ergab eine Studie des Linzer Marktforschungsinstituts market, das 1200 Österreicher nach den unnötigsten Weihnachtsgeschenken befragte.

Beliebtes Bargeld

Demnach ist die Ablehnung von Haustieren mit 60 Prozent am größten, gefolgt von Haushaltsgegenständen, Handyzubehör, Werkzeug und Socken, die bei 30 Prozent gar keinen Freudentaumel auslösen. Nur zehn Prozent hingegen verschmähen Selbstgebasteltes, beliebt sind auch Gutscheine, Körperpflegeprodukte und – besonders bei den 18- bis 39- jährigen – schlichtweg Bares.

Dass sich der Einzelhandel zunehmend gegen "Freizeitgeschenke", wie Thermen- oder Reisegutscheine, behaupten muss, bestätigt auch eine Studie der RegioPlan Consulting. Ebenso leiden die Baumärkte eher unter dem Weihnachtsgeschäft als dass sie profitieren: Der Umsatz geht gegenüber einem durchschnittlichen Monat um knapp zehn Prozent zurück. Für Rekordumsätze wird erwartungsgemäß der Elektrohandel sorgen.

Günstiger Donnerstag

Trotz eines tendenziellen Trends zum Sparen hat sich heuer jeder Siebente vorgenommen, mehr als im Vorjahr auszugeben, zitierte Brigitte Jank, Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, aus einer aktuellen Studie. Dazu komme, dass der 8. Dezember heuer sehr günstig auf einen Donnerstag fällt: "Wir erwarten für das heurige Weihnachtsgeschäft ein Umsatzplus von zwei Prozent." Im Adventgeschäft des vergangenen Jahres seien in Wien insgesamt 355 Millionen Euro umgesetzt worden.

Kauf-nix-Tag

Gegen den Sturm auf die Kaufhäuser demonstrieren am ersten Adventsamstag faulenzende Weihnachtsmänner auf Wiens Top-Shoppingmeile, der Mariahilferstraße. Dort wird ab elf Uhr der "Kauf-nix- Tag 2005" zelebriert, um auf die ungerechte Verteilung der Reichtümer in der Welt aufmerksam zu machen.

"Entschleunigung"

Für acht von zehn Österreichern sind laut market-Umfrage ohnehin Harmonie und Zeit für die Familie wichtiger als Geschenke oder weiße Weihnachten. Freizeitforscher Peter Zellmann interpretiert daraus einen "Trend zur Entschleunigung". Die falschen Geschenke will aber dennoch niemand. (kri, DER STANDARD Printausgabe, 26.11.2004)

  • "Ich möchte, dass Sie Ihren Konsum drosseln!" - KritikerInnen der Wohlstandsverteilung protestieren gegen den Weihnachtseinkauf
    foto: nixkaufen.at

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