Pinochet: Zum 90. Geburtstag ein Hausarrest

12. Dezember 2005, 13:19
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Neue Anklagen gegen Chiles Ex-Diktator - Erstmals wahrscheinlich, dass Pinochet doch noch verhandlungsfähig ist

Santiago de Chile - Der wegen Entführung von Regimegegnern und Steuerhinterziehung angeklagte frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet hat seinen 90. Geburtstag am Freitag unter Hausarrest verbracht. Eine Feier im engsten Familien- und Freundeskreis in seiner Residenz in einem vornehmen Wohnviertel von Santiago sei deshalb abgesagt worden, berichtete die Zeitung La Tercera.

15 Jahre nach dem Ende der Diktatur und gut fünf Jahre nach der Rückkehr aus dem Hausarrest in London erschien es damit erstmals wahrscheinlich, dass Pinochet doch noch vor Gericht gestellt werden kann. Ein ärztliches Gutachten hatte vor Kurzem ergeben, dass Pinochet trotz seines Alters geistig in der Lage sei, sich vor Gericht angemessen zu verteidigen.

Am Mittwoch war der ehemalige Machthaber (1973- 1990) wegen Steuerhinterziehung und am Donnerstag auch wegen Entführung linker Gegner der Militärdiktatur unter Anklage gestellt worden. In beiden Fällen verhängten die Richter Hausarrest, der immer dann an die Stelle von Untersuchungshaft tritt, wenn der Betroffene älter als 70 Jahre ist. In dem Steuerstrafverfahren wurde der Arrest gegen Zahlung einer Kaution ausgesetzt. In dem Strafverfahren wegen der Ermordung von Regimegegnern wirft Untersuchungsrichter Víctor Montiglio dem Exstaatschef Mitschuld an dem Tod von sechs Menschen im Rahmen der so genannten Aktion Colombo in den Jahren 1974 und 1975 vor. (DER STANDARD, dpa, Printausgabe, 26.27.11.2005)

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