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27. Dezember 2005, 17:04
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Mit bedeutungsschwangeren Worten begründet Generaldirektor Hameseder den Raiffeisen-Einstieg in das niederösterreichische Pressehaus

Mit bedeutungsschwangeren Worten begründet Generaldirektor Erwin Hameseder den Raiffeisen-Einstieg in das niederösterreichische Pressehaus: "Der österreichische Medienmarkt wird neu geordnet." Und er hat Recht: Die 20-Prozent-Beteiligung ist unmittelbarer Ausdruck einer momentanen Nervosität in der Branche: Kommenden Herbst starten die Fellner-Brüder vermutlich mit großem Brimborium und viel Marketing ihre neue Tageszeitung. Für diesen Kampf wollen sich die Niederösterreicher rechtzeitig wappnen.

Offenkundig wurde reichhaltig Rechtauskunft eingeholt: Kartellrechtlich geprüft muss nur werden, wenn die Beteiligung 25 Prozent übersteigt. Mit 20 Prozent bleibt die Raiffeisen darunter. Und natürlich beeilen sich die Beteiligten zu versprechen, dass "Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit" in jedem Fall gewahrt bleiben. Ob das mit einem Medienunternehmen gewährleistet ist, das Beteiligungen am Kurier, aber auch an der News-Gruppe mit Magazinen wie "News", "profil" oder "tv-media" sowie am Privat-TV-Sender Sat.1 Österreich und am Privatradio Kronehit hält, wird das Kartellgericht hoffentlich prüfen.

Interessant ist aber vor allem zu beobachten, wie Verleger bei öffentlichen Auftritten stets betonen, wie wenig das eigene Medium das Fellner-Blatt zu fürchten habe und wie sehr sich doch die Konkurrenz davor fürchten müsse. Ob das noch dichtere Zusammenrücken die richtige Antwort sein kann, bleibt abzuwarten. "Elektrohandel mit angeschlossenem Pressebetrieb", unkt "Falter"-Chefredakteur Armin Thurnher in Anspielung auf die zu erwartende Marketingschlacht kommenden Herbst. Schon jetzt, ein Jahr vor dem Start der neuen Tageszeitung, scheint freilich eines sicher zu sein: In Sachen Medienkonzentration werden sich die Dinge kaum verbessern. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.11.2005)

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