Linzer Westring kommt in Etappen

27. November 2005, 18:53
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Am Freitag unterzeichnete Gorbach Absichtserklärung - Gegner fürchten noch mehr Feinstaub

Linz – Das letzte noch ausstehende Okay für den Bau des Linzer Westringes hatte noch gefehlt: Am Freitag unterzeichnete Infrastrukturminister Hubert Gorbach in der oberösterreichischen Landeshauptstadt die "Absichtserklärung für das 600 Millionen Euro Projekt". In drei Bauetappen soll die Linzer Stadtautobahn samt einer vierten Donaubrücke gebaut werden.

Bürgerinitiativen

Sechs Bürgerinitiativen haben diesem Projekt inzwischen den Kampf angesagt, zur besseren Koordination schlossen sie sich zu einer Plattform zusammen. Denn die Vorbereitungen für die Großteils unterirdisch laufende A26 sind schon in vollem Gange. Gegen die Trassenverordnung wurden 2550 Einwendungen im Linzer Rathaus abgegeben. Trotz des massiven Protestes hat die Bevölkerung aber nur einen einzigen politischen Mitstreiter in der Stadt sowie im Land: die Grünen.

Gerda Lenger, Verkehrssprecherin und Gemeinderätin der Linzer Grünen, spricht von einer "Geldvernichtungsmaschine" und ihr Kollege in der Landespartei, Gottfried Hirz, erneuert "das dezidierte Nein zum Westring". In diesem Punkt sind sich die Koalitionspartner Schwarz und Grün in Oberösterreich alles andere als einig. Seit Jahren mahnt ÖVP-Landesrat Franz Hiesl in Wien ein Schließen des Linzer Autobahnringes ein. Wegen der enormen Kosten stieg der Autobahnbetreiber Asfinag aber auf die Bremse. Vor einem Jahr wurde dann der Kompromiss geschlossen. Der Lückenschluss (rund acht Kilometer lang) erfolgt in Etappen, seit Freitag gibt es das auch schriftlich.

Vierte Brücke über die Donau Begonnen wird mit dem Bau der vierten Donaubrücke sowie der ersten, 3,2 Kilometer langen Tunnelröhre bis zum Hauptbahnhof voraussichtlich 2009. Projektierte Kosten: 240 Millionen Euro. Den Bau noch auf politischem Weg stoppen können, wird "sehr, sehr schwierig", gibt Hirz zu. Als die Grünen 2003 in die Landesregierung kamen, existierten bereits die Beschlüsse für das Vorhaben A26. Im Regierungsübereinkommen mit der ÖVP ist es auch nicht enthalten.

Als letzte Chance bleibe jetzt die Umweltverträglichkeitsprüfung, sagt der Grüne Verkehrssprecher. Vor allem die Auswirkungen auf die Linzer Luft seien problematisch. In diesem Jahr wurden bereits bis Oktober die Grenzwerte für Feinstaub an drei der fünf Messstellen 50 mal überschritten. Und durch den Bau des Westringes sei mit einer weiteren Zunahme des Verkehrs zur rechnen, meinte auch Lenger. Von einer "Entlastung des Ballungsraumes" könne nicht die Rede sein.

Lkw-Transit

Für die Gegner steht nämlich außer Zweifel: Die A26 ist eine Autobahn für den Lkw-Transit von Tschechien Richtung Süden. Diesen durch eine Großstadt zu lenken, sei alles andere als "zeitgemäß". Hirtz würde die Gelder lieber in eine Linzer City-S-Bahn, den Ausbau der Summerauer-Bahn und Elektrifizierung der Mühlkreisbahn stecken – und in eine Verlängerung der Straßenbahn Richtung Pasching. (ker, DER STANDARD Printausgabe, 26./27.11.2005)

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