Regierung kündigt Konsequenzen an

6. Dezember 2005, 09:17
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Chinesische Medien und russische Regierung hatten zuvor ungewohnt herbe Kritik geübt

Peking/Harbin - Nach dem verheerenden Chemieunfall im Nordosten Chinas hat die chinesische Regierung am Freitag Konsequenzen für die lokalen Behörden angekündigt. Zuvor hatten die staatlichen Medien ungewöhnlich deutliche Kritik am Krisenmanagement in der Stadt Harbin geübt, wo seit Dienstag knapp vier Millionen Menschen ohne fließendes Wasser auskommen müssen. Die Vereinten Nationen boten Peking Unterstützung bei der Beseitigung des giftigen Benzols im Songhua-Fluss an, erhielten aber keine Antwort, wie Sprecher Wladimir Sakharov mitteilte.

Die Regierung in Peking entsandte Ermittler in die Region um den verseuchten Songhua. Unter ihnen seien auch Offiziere, die für disziplinarische Bestrafungen zuständig seien, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Fassungslosigkeit

Der Unfall habe die gesamte Nation fassungslos gemacht, schrieb Xinhua. In einem Kommentar der Zeitung "Zhongguo Qingnian Bao" hieß es, "wenn Informationen nicht zeitnah, akkurat und transparent weitergegeben werden, so lässt das Raum für Gerüchte". Andere Blätter zitierten Experten, die den Umgang der Regierung mit dem Unglück in Frage stellten. Sie kritisierten, dass das giftige Benzol den Fluss überhaupt erreichte und bemängelten die zu geringen Wasservorräte.

Die Zeitung "Xin Jing Bao" forderte die Regierung auf, aus dem Ausbruch der gefährlichen Lungenkrankheit Sars Ende 2002 eine Lehre zu ziehen. Damals geriet Peking international in die Kritik, weil es Informationen zurückgehalten hatte. "Während der Sars-Epidemie brachte die Veröffentlichung der Informationen den Wendepunkt", schrieb das Blatt. (APA/AP)

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