Aufsichtsratschef der Deutschen Börse sieht europäische Superbörse

8. Dezember 2005, 17:38
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Deutsche Börse hält sich bei Londoner Börse alle Optionen offen - Australische Macquarie legt laut Zeitung wohl doch kein Angebot

Frankfurt - Der neue Aufsichtsratschef der Deutsche Börse AG, Kurt Viermetz, kann sich einen Europa übergreifenden Börsenzusammenschluss vorstellen. Wenn sich der Euro in den kommenden zehn Jahren weiterhin gut entwickle, dann werde auch eine gemeinsame Börsenplattform in Europa folgen, sagte Viermetz am Rande des Börsenforums 2005 des Deutschen Aktieninstituts (DAI).

"Ich bin ganz pragmatisch in Sachen Superbörse Europa", fügte er hinzu. "Die Märkte werden uns dazu zwingen, die nötigen Schritte zu gehen." Isoliert agierende einzelne Börsen stünden der Vision Europa entgegen.

Viermetz kritisierte die Pläne zur Besteuerung von Kursgewinnen. "Hier wird massiv in die Vermögensbildung und Anlagestrategien eingegriffen", sagte er. Bereits heutzutage befinde sich die deutsche Ersparnisbildung in einer "klaren Schieflage" zu Gunsten der weit weniger lukrativen festverzinslichen Papiere. Mit Aktien ließe sich die Effizienz des Sparens deutlich steigern, vor allem im Hinblick auf langfristige Anlagestrategien.

Dauerhafte Lösung des Rentenproblems

Mehr Aktienanlagen seien auch ein Schritt zur dauerhaften Lösung des Rentenproblems. Der Umstieg vom derzeitigen Umlagesystem auf das Kapitaldeckungsverfahren werde in Zukunft nötig, da das Rentensystem in seiner jetzigen Form nicht mehr finanzierbar sei.

"Daher darf es keine Experimente bei der Besteuerung der Kapitalerträge geben", sagte Viermetz. Er kritisierte, dass "die Fortschritte bei der Besteuerung von Zinsen und Dividenden in einer einfachen, international wettbewerbsfähigen Abgeltungssteuer wieder verschoben" worden seien. "Die geplante Besteuerung von Kursgewinnen ist sogar wieder ein Schritt zurück", sagte er.

Die Deutsche Börse selbst will sich die unterdessen die Tür für eine mögliche Übernahme der Londoner Börse (LSE) weiter offen halten und plant derzeit keinen Rückzug ihres Kaufofferts für die britische Konkurrenz. "Man darf nie nie sagen", sagte Viermetz weiter.

Bieterwettstreit

Rund um den seit Monaten schwelenden Bieterwettstreit zwischen der Deutschen Börse und der Vierländerbörse Euronext war seit Kurzem auch von einem Einstieg der australischen Macquarie-Bank die Rede gewesen. Australiens größte Investmentbank wird einem Zeitungsbericht zufolge nun aber wohl doch nicht für die umworbene LSE bieten.

Der Preis sei inzwischen zu hoch, zitierte die Zeitung "Sydney Morning Herald" am Freitag mit dem Geschäft vertraute Kreise. Die britischen Behörden hatten den Australiern zuletzt den 15. Dezember als Frist für ein Gebot gesetzt.

Seit September 2004 legten LSE-Titel um rund 70 Prozent zu. Inzwischen liegt der Kaufpreis für die Börse bei ungefähr 1,5 Mrd. Pfund (rund 2,2 Mrd. Euro). (APA/dpa/Reuters)

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