Symposium zu Medienwirtschaft, Ethik und "Citizen Fellner"

7. Dezember 2005, 09:23
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FH diskutierte "Journalismus zwischen Markt und Moral", die Branche debattierte das Fellner-Projekt

Kommt in der Tageszeitungsbranche "zuerst die Anzeige, dann die Wahrheit"? Oder ist journalistische "Wahrhaftigkeit" das eigentliche Kapital eines journalistischen Produkts? Die Wiener Journalismus-Fachhochschule lud am Freitag zu einem Symposium, das den "Journalismus zwischen Markt und Moral" erörterte. Die Debatte am Nachmittag wurde rasch konkret und drehte sich um das neue Tageszeitungsprojekt von Wolfgang Fellner.

"Völlige Aufhebung der Trennung von Werbung und Redaktion"

Wie wird es die neue Zeitung mit der "kommunikativen Moral" halten, wollte das Podium wissen? "Fragen Sie mich in eineinhalb Jahren", so die Replik von Wolfgang Zekert als Vertreter des geplanten Mediums. Was Peter Rabl, ehemaliger "Kurier"-Herausgeber, nicht gelten ließ: Man könne sich schon vorstellen, was "Citizen Fellner" plane, sagte er in Anspielung auf den Orson Welles-Klassiker "Citizen Kane": Mit "News" und Co. hätten die Fellners die "völlige Aufhebung der Trennung von Werbung und Redaktion" betrieben "und haben damit öffentlichen Erfolg". Ein "Geschäftsmodell als Journalismus zu tarnen" - nicht anders werde das neue Zeitungsprojekt verfahren, so Rabls Prognose.

Forderungen der Werbewirtschaft "massiv gewandelt"

Zekert fand das "wirklich spaßig", wobei er Rabl beipflichtete, dass sich die Forderungen der werbetreibenden Wirtschaft "massiv gewandelt" hätten. Dass das neue Blatt lediglich für die Werbewirtschaft gedacht sei, wies er zurück: "Nur mit einer gut gemachten Zeitung kannst du gut verkaufen. Der Lesermarkt ist sicher schwerer zu erobern als der Anzeigenmarkt."

"Struktureller Opportunismus"

"Falter"-Chef Armin Thurnher sieht dennoch die "Ansprache des Publikums" nur mehr als "Vorwand", als Verkaufsargument für die Anzeigenabteilungen. Schließlich habe sich Fellner in einem Fragebogen an die Werbewirtschaft gewendet, um ihre Wünsche für die neue Zeitung zu erheben. "Struktureller Opportunismus" sei das, so Thurnher. "Das Programm ist: Wir passen uns an. Früher hatte ein Zeitungsgründer noch eine Idee, was er mit der Zeitung sagen will."

Zekert dagegen sah "nichts Unbotmäßiges dabei, jemanden um seine Meinung zu fragen". Eines scheint gewiss: Auf die Frage, wie er es mit Ethik, Wirtschaft und "Citizen Fellner" hält, wird er im kommenden Jahr wohl auf diversen ähnlichen Veranstaltungen noch oft zu antworten haben. (APA)

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