Europarat-Beauftragter: "Kleines Guantanamo" im Kosovo

1. Dezember 2005, 15:53
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Gil-Robles beantragte vor drei Jahren Schließung des Lagers - Zusammenhang mit mutmaßlichen CIA-Geheimgefängnissen unklar

Paris - Der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Alvaro Gil-Robles, hat nach eigenen Angaben in der südserbischen Unruheprovinz Kosovo vor gut drei Jahren ein Gefangenenlager gesehen, dass dem berüchtigten US-Lager Guantanamo auf Kuba ähnelte. Das fragliche Lager habe sich am Stützpunkt Camp Bondsteel der NATO-geführten Kosovo-Truppe (KFOR) im Süden der Hauptstadt Pristina befunden, berichtete der Spanier gegenüber der Pariser Zeitung "Le Monde" (Samstagausgabe). Er habe damals in einem Bericht über seine Visite die Schließung des Lagers gefordert. Ein Jahr später sei ihm versichert worden, dass dies geschehen sei.

Guantanamo-"Nachbildung"

Das fragliche Lager hat Gil-Robles nach eigenem Bekunden im September 2002 gemeinsam mit dem damaligen Kommandanten der KFOR, dem französischen General Marcel Valentin, besucht. Letzterer sei offenkundig "nicht froh" über die Lage der Gefangenen gewesen. Die Einrichtung habe wie eine "kleinere Nachbildung von Guantanamo" ausgesehen, berichtete der Spanier. Sie bestanden aus kleinen, von hohen Stacheldrahtzäunen eingeschlossen Holzbaracken. In jeder Baracke seien 15 bis 20 Häftlinge gefangen gewesen. Diese hätten orangefarbene Uniformen getragen, wie die Häftlinge in Guantanamo. Einige von ihnen hätten Bärte gehabt und den Koran gelesen. Eine US-Soldatin, die zu dem Personal gehörte, habe ihm gesagt, sie habe zuvor im Guantanamo-Lager gedient.

"Keine konkreten Angaben"

Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Lager im Kosovo und den mutmaßlichen CIA-Geheimgefängnissen gibt, könne er nicht sagen: "Ich habe dazu keine konkreten Angaben". Die internationale Gemeinschaft solle von der NATO nun "Erklärungen" anfordern.

"Le Monde" zufolge wurde der Stützpunkt Camp Bondsteel 1999 anlässlich der NATO-Intervention in Serbien errichtet. Dort seien zeitweise bis zu 6000 US-Soldaten stationiert gewesen. Wie in Guantanamo hätten die Häftlinge keinen Kontakt zu einem Anwalt haben dürfen. Auch habe es keine regulären Gerichtsverfahren gegen sie gegeben. Die Militärbasis sei offenbar "ein rechtloser Raum" gewesen. (APA)

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