Teilbedingte Haftstrafen wegen Naziparolen und Körperverletzung

27. November 2005, 18:51
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Für drei Jugendliche - Neun weitere zu bedingten Strafen verurteilt, teilweise außergerichtliche Einigung

Graz - Zu teilbedingten Haftstrafen wurden am Freitag drei Jugendliche in Graz verurteilt, die wegen schwerer Körperverletzung und Verhetzung vor Gericht standen. Neun weitere Angeklagte erhielten bedingte Strafen oder kamen wegen der Beschuldigung des im Stichlassens eines Verletzten mit einer außergerichtlichen Einigung davon. Ein Bursche wurde freigesprochen. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil gegen die zwölf Burschen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren ist somit nicht rechtskräftig.

"Judenleib"

"Wetzt die Messer auf dem Bürgersteig, lasst sie flutschen in den Judenleib" mit diesen und ähnlichen Parolen, bekräftigt durch "Sieg heil" und "Heil Hitler" sollen einige der Jugendlichen laut Anklage im vergangenen Sommer durch Leibnitz gezogen sein. Zwei Südsteirer dürften mit dieser Einstellung nicht übereingestimmt haben und pöbelten die Gruppe an. Dabei blieb es vorerst auch. Später an diesem Abend trafen alle Beteiligten aber noch einmal aufeinander, weil die zwei "Pöbler" in eine Schlägerei mit einem Bekannten der "Gang" verwickelt waren.

Schwerste Kopfverletzungen

Ein 20-Jähriger - vermutlich der Anführer der rechtsradikalen Gruppierung -, der einem der "Provokateure" bei der Schlägerei gegen den Kopf getreten hatte, wurde zu neun Monaten Haft - davon zwei Monate unbedingt - verurteilt. Bei der Auseinandersetzung hatte das Opfer schwerste Kopfverletzungen erlitten und kann sich wegen einer Amnesie nicht an den Vorfall erinnern.

"Kursmaßnahmen"

Die weiteren Angeklagten erhielten zwischen neun und sieben Monaten teilbedingter Haft. Einer der "Schläger", der ebenfalls auf das Opfer eingetreten hatte, kam wegen seines jugendlichen Alters - 17 Jahre - mit einer bedingten Strafe davon. Die wegen Verhetzung Angeklagten müssen zudem laut Richterin Elisabeth Juschitz "Kursmaßnahmen" absolvieren.

Im Falle der beiden "Provokateure"- die ebenfalls wegen Körperverletzung vor Gericht standen - sowie dreier Burschen, die den Verletzten nach der Prügelei einfach liegen gelassen hatten statt die Rettung zu rufen, wurde die Diversion angewandt. Der zwölfte Angeklagte wurde freigesprochen, da ihm nichts nachgewiesen werden konnte. Die Urteile wurden von den Beschuldigten zum Teil angenommen. Drei erbaten sich Bedenkzeit. Der mutmaßliche Anführer ging in Berufung. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. (APA)

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