Ringen um Menzel-Gemälde zu Ende

25. November 2005, 15:29
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National Gallery London kauft "Ein Nachmittag im Tuileriengarten" - Dresdner Gemäldegalerie erhält es vorübergehend als Leihgabe zurück

Dresden - Das internationale Ringen um Adolph von Menzels Gemälde "Ein Nachmittag im Tuileriengarten" ist zu Ende: Die National Gallery London hat bestätigt, dass sie das Bild für 3,2 Millionen Pfund (rund 4,7 Millionen Euro) kauft. Die Rahmenbedingungen seien geklärt, der Vertrag werde unterzeichnet, sagte Direktor Charles Saumarez Smith am Freitag in Dresden. Die Dresdner Gemäldegalerie, die das 1867 entstandene Bild bis Juni besaß, bekommt es aber zumindest vorübergehend als Leihgabe zurück: Sie darf es in einer Menzel-Ausstellung zeigen, die am Freitagabend eröffnet werden sollte. Das Bild werde in der kommenden Woche an die Elbe zurückgebracht, versprach Smith.

Um den Verkauf hatte es in den vergangenen Tagen Irritationen gegeben. Während der Münchner Kunsthändler Bruce Livie, der das Geschäft vermittelte, schon den Vertragsabschluss verkündet hatte, sprach das Museum in London noch von Verhandlungen. "Über den Verkauf wurde Einverständnis erzielt", berichtete Smith nun.

Vorgeschichte

Die Gemäldegalerie Dresden musste das Bild, das seit 1935 in Dresden hing, im Juni an die Erben der früheren jüdischen Eigentümerin zurückgegeben. Das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen hatte es Ende 2004 der Jewish Claims Conference (JCC) zuerkannt. Verhandlungen über einen Ankauf durch den Freistaat Sachsen waren an den Forderungen der JCC im Namen der Erben gescheitert. Wenige Tage nach der Herausgabe hatte der amerikanische Kunsthändler und Sammler Alfred Bader das Gemälde für 2,8 Millionen Euro von den Erben der einstigen jüdischen Besitzer gekauft und der National Gallery London angeboten.

Der Trust der Gallery verständigte sich nach Angaben von Smith darauf, den Menzel zunächst als Leihgabe für die Menzel-Ausstellung wieder nach Dresden zu geben. "Es wird London am 30. November verlassen und per Flugzeug am selben Tag oder mit dem Lkw zwei Tage später hier sein", versicherte Smith. Er wolle mit den Staatlichen Kunstsammlungen nun über die Möglichkeiten weiterer Kooperationen, auch den Leihverkehr über die Menzel-Ausstellung hinaus, sprechen. (APA/dpa)

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