Die Scala in der Post-Muti-Ära

30. November 2005, 19:59
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Intendant Lissner will sich mindestens zwei Jahre Zeit für die Nachfolger-Suche nehmen - Muti selbst hat mit dem Haus abgeschlossen

Rom - Scala-Intendant Stephane Lissner will sich mindestens zwei Jahre Zeit nehmen, um einen Nachfolger für Riccardo Muti als Musik-Direktor des Mailänder Opernhauses zu ernennen. "Wir brauchen wichtige Dirigenten, die das italienische Repertoire verteidigen können. Dies ist für die Welt und noch mehr für die Scala wichtig. Natürlich werden wir eines Tagen den Nachfolger von zwei großartigen Persönlichkeiten wie (Claudio) Abbado und Muti ernennen müssen. Die Meinung des Orchesters wird dabei sehr wichtig sein. Ich denke, dass mindestens zwei Jahre für meinen Beschluss notwendig sein werden", kommentierte Lissner im Interview mit dem am Freitag erscheinenden Wochenmagazin "L'Espresso".

Lissner zeigte sich wegen der von der Regierung Berlusconi geplanten Einschnitte im Kulturbereich besorgt. "Die Scala ist ein öffentliches Theater. Es braucht die Hilfe öffentlicher Institutionen und das Geld von Privaten, um die künstlerische Qualität zu steigern. In anderen großen europäischen Musikhauptstädten erhalten die wichtigsten Opernhäuser staatliches Geld", so Lissner.

"Schluss gemacht"

Riccardo Muti will vom Mailänder Opernhaus indessen nichts mehr wissen. "Mit der Scala habe ich Schluss gemacht. Wie viel ich diesem Theater in 19 Jahren Arbeit gegeben habe (..) die Resultate eines kontinuierlichen Einsatzes, das dem Orchester eine erstklassige Gegenwart und Zukunft gegeben hat, sowie die Gründung des Philharmoniker Orchesters sind Tatsachen, die bleiben werden und die niemand nicht anerkennen kann", sagte Muti im Interview mit dem italienischen Wochenmagazin "L'Espresso" am Freitag.

Nach dem Abschied von der Scala sei er mit Angeboten überhäuft worden. "Die großen Orchester haben ihre Angebote vermehrt und mich mit ihren Auszeichnungen geehrt. Vor kurzem bin ich zum Ehrenmitglied der Londoner Philharmonic ernannt worden", betonte Muti.

Zur Zeit sei er mit der Gründung seines Orchesters "Luigi Cherubini" zur Förderung junger Talente beschäftigt. "Dieses Orchester liebe ich wie ein Vater seine letzte Kreatur lieben kann. Es handelt sich um ein Orchester aus jungen Mitgliedern, die ich auf internationale Ebene hieven will. Mit diesem Orchester werde ich am 18. Dezember das Weihnachtskonzert im Senat in Rom dirigieren", sagte Muti. Außerdem plane er die Rückkehr nach Florenz als Leiter der Veranstaltung "Maggio Musicale Fiorentino". "Dort hat meine Karriere als reifer Künstler begonnen", erklärte der Dirigent.(APA)

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    Riccardo Muti

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