Schnaps-Design und Wein-Design

13. Juli 2006, 17:04
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Designer sind schon lang am Werk, und das mitten unter uns - Kommentar von Vene Maier

Wenn sich schon hedonistisch korrekte Männer wie Hans Rauscher – der ob seinen bekannten Äußerungen ja nun nicht einmal der gemäßigten Chianti-Fraktion zuzurechnen ist – des Themas annehmen, darf man annehmen, dass Feuer am Dach des Weinlandes Österreich ist. Es soll nämlich erlaubt werden, dass „designte Weine“ nach Europa importiert werden dürfen. Und da steigt dem Feinschmecker doch so ziemlich die Grausbirn auf.

Allein der Gedanke, man bekäme einen mit künstlich-chemischen Aromen verbesserten, mit Eichenschnitzeln aufgepäppelten und mit Zucker abgerundeten Wein vorgesetzt (die Adjektive natürlich unter Anführungszeichen), erzeugt Grauen allenthalben. Mit Fug und Recht, würde ich sagen. Schließlich können wir Abendländler, die auf Wahrheit und auf Echtheit bei unserer Ehr’ pochen und nicht nur in unserer Butter nichts als die reine Natur zulassen, auf solche Verfälschungen nur mit Abscheu reagieren.

Warum aber, so die Frage, gilt diese aufrechte Haltung nur dem Wein? Warum stemmt sich öffentlich niemand dagegen, dass in anderen Produkten – wie den zahllosen Spirituosen in den Regalen und auf den Digestifwägen vieler Restaurants – diese Praxis seit Jahr und Tag gang und gäbe ist? Dazu ist nämlich anzumerken, dass selbst der österreichische Lebensmittelkodex die Zugabe zahlreicher chemischer Aromen ebenso wie den Zusatz von Farbstoffen und von Zucker erlaubt. Man weiß aus der Praxis, dass Aromaverstärker in Cognac, Whisky und Grappa eher die Regel als die Ausnahme sind und der Zusatz von Zuckercouleur und Zwetschkenextrakten zur geschmacklichen Verbesserung zum geschäftlichen Auftrag vieler Produzenten gehören.

Dass es sich hierbei nicht nur um böse ausländische Methoden handelt, sondern auch die heimische Spirituosenindustrie kräftig mitmischt, ist ja auch schon lange kein Geheimnis mehr. Und was „RAU“ in seiner Standard-Glosse feststellt, dass sich „der Markt“ in (teurere) Nicht-Design-Weine und die anderen „ausdifferenzieren“ wird, ist beim Schnaps schon lange Usus. Darum gehen auch Fragen, wie sie zB in Postings zu teuren „Rolls-Royce-Schnäpsen“ gestellt werden, am Kern der Sache vorbei. Denn echte Produkte, die aus Natur und sonst nichts bestehen, haben halt ihren Wert und der drückt sich auch im Preis aus. Wobei die Gewinnspanne bei „Rolls-Royce-Schnäpsen“ sicherlich geringer ist als bei den billigen Industrieprodukten. Aber auch die „Unterschicht-Trinker“ wollen zu ihrem Stoff kommen, ergo werden sie auch bedient.

So ist der Markt halt, und wer hat eigentlich bisher dagegen protestiert?
Siehe dazu
Wein-Design
von Hans Rauscher
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