Klimakonferenz in Montreal startet mit wenig Chancen auf Einigung

27. November 2005, 09:30
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Diskussion über weitere Treibhausgas-Reduktion, obwohl viele Staaten ihre Kyoto-Verpflichtungen nicht einhalten - auch Österreich weit davon entfernt

Montreal - Im kanadischen Montreal sind am Montag mehrere tausend Delegierte und Experten zum internationalen Klimagipfel zusammen gekommen. Im Mittelpunkt des Treffens sollten weitere Verpflichtungen zur Verringerung der Treibhausgase stehen. Der Klimagipfel gilt als der wichtigste seit Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls 1997; dieses konnte im Februar endlich in Kraft treten, nachdem Russland das Dokument ratifiziert hatte.

Im Kyoto-Protokoll verpflichteten sich die 38 führenden Industrieländer auf eine Verringerung der Emissionen von sechs klimaschädigenden Gasen um insgesamt 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990. Zieldatum hierfür ist 2012. Auf dem Gipfel sollte diskutiert werden, wie die Treibhausgase nach 2012 weiter reduziert werden könnten. Allerdings kommen die meisten Unterzeichner-Staaten ihren Verpflichtungen schon jetzt nicht nach. So versprach die Europäische Union eine Reduzierung um acht Prozent, schaffte nach den jüngsten Daten aber erst 1,4 Prozent. Eine Einigung gilt als unrealistisch.

Partnersuche

Österreich wird durch den Ressortchef Josef Pröll vertreten sein. Auch Pröll bezeichnete eine mögliche Einigung auf die Periode nach 2012 im Vorfeld als "Illusion".Dezidiertes Ziel Österreichs und anderer Konferenzteilnehmer wie Deutschland ist es, möglichst viele neue Partner für die Post-Kyoto-Periode zu finden: Ganz oben auf der Liste der Wunschkandidaten stehen etwa die USA, bisher der weltweit größte Emittent. Entwicklungs- bzw. Schwellenländer wie Indien oder China genießen ebenfalls Priorität. Auch Südafrika und Australien sollen in künftige Klimamaßnahmen eingebunden werden.

Klare Ziele hat die EU im Vorfeld des Treffens formuliert. Die Temperaturerwärmung soll auf höchstens zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzt und die Treibhausgase durch die Industriestaaten gegenüber 1990 um 15 bis 30 Prozent bis 2020 gesenkt werden.

Mögliche Verbesserungen

Neben möglichen künftigen Maßnahmen werden die Teilnehmer über Verbesserungen des bestehenden Regelwerks beraten. Unter anderem sollen die so genannten Clean Development Mechanisms (CDM) verbessert werden. Diese "sauberen" Mechanismen ermöglichen es reichen Ländern, ihre eigene Klimabilanz zu verbessern, in dem sie nachhaltige Projekte in Entwicklungsländern fördern.

Dass der Klimawandel bis zu einem gewissen Grad nicht mehr aufzuhalten ist, steht bei Experten mittlerweile außer Zweifel. Eine Herausforderung wird daher die Anpassung an die Temperaturänderungen sein. Konkrete Maßnahmen werden ebenfalls in Montreal beraten werden, wobei das Augenmerk vor allem auf ärmeren Ländern liegen soll, die von der Erderwärmung besonders betroffen wären.

Mit dem Kyoto-Protokoll sind Obergrenzen für den Ausstoß von CO2 und fünf anderen Treibhausgasen festgelegt worden. Diese Ziele sind völkerrechtlich verbindlich. Österreich hat sich verpflichtet, seine Emissionen bis zum Durchrechnungszeitraum 2008 bis 2012 im Vergleich zu 1990 um 13 Prozent zu senken. Global sollen die Ausstöße der entwickelten Staaten verglichen mit 1990 um 5,2 Prozent gesenkt werden.

>>> Österreich ist weit vom Kyoto-Ziel entfernt.

Der Weg nach Kyoto ist mit 8.900 Kilometern Luftlinie für Österreich nicht nur rein geographisch gesehen weit: Großer Schritte bedarf es auch bei der Erreichung des Klimaziels, denn statt der angepeilten Reduktion der Treibhausgase ist der Ausstoß im Jahr 2003 weiter angestiegen. Die Kluft zum Klimaziel wird damit immer größer, wie aus dem aktuellen Kyoto-Fortschrittsbericht des Umweltbundesamtes hervorgeht, der im Mai vorgelegt wurde.

Gemäß dem Kyoto-Ziel hat sich Österreich dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen verglichen mit dem Stand von 1990 um 13 Prozent zu senken. Vom angepeilten kontinuierlichen Abbau weicht Österreich allerdings immer weiter ab: Laut Zielpfad wäre für 2003 eine Reduktion der sechs im Protokoll geregelten Treibhausgase um 8,5 Prozent vorgesehen gewesen. Tatsächlich sind die Emissionen verglichen mit 1990 aber deutlich gestiegen: 2003 gab es Plus von 16,6 Prozent, der Ausstoß von 91,6 Millionen Tonnen markierte den bisherigen Höchststand. Die Differenz zum Kyotoziel für 2010 beträgt damit 29,6 Indexpunkte.

Hauptverursacher

Als Hauptverursacher machte das Umweltbundesamt (UBA) drei Faktoren aus: Verkehr, öffentliche Strom- und Wärmeproduktion sowie die Industrie. Den stärksten Zuwachs verzeichnete im vergangenen Jahrzehnt der Straßenverkehr, wo es von 1990 bis 2003 ein Treibhausgas-Plus von zehn Millionen Tonnen (plus 83,5 Prozent) gab. Strom- und Wärmeerzeugung verursachten im selben Zeitraum 2,4 Millionen Tonnen mehr, auf Eisen- und Stahlproduktion entfiel ein Plus von 1,2 Millionen Tonnen, und die übrige Industrie stieß rund eine Million Tonnen mehr aus als im Basisjahr.

Dass das wichtigste Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) im Jahr 2003 so stark angestiegen ist, liegt laut Umweltbundesamt hauptsächlich am Anstieg der öffentlichen Strom- und Wärmeproduktion in kalorischen Kraftwerken. Durch den trockenen Sommer kam es zusätzlich zu einer Verringerung der Energiegewinnung aus Wasserkraft. Als größter Verursacher gilt nach wie vor der Verkehr, der im Vergleich zum Jahr davor ein CO2-Emissionsplus von 8,2 Prozent verzeichnete. Mit verantwortlich dafür sei auch der Tanktourismus, so das UBA. (APA)

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