Filmtipp: Hakoah – Club der Sirenen

25. November 2005, 13:45
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Die Geschichte des Damenschwimmteams des jüdischen Sportclubs Hakoah Wien

Als in Österreich am Anfang des 20. Jahrhunderts die sog. "Arierparagraphen" eingeführt werden, ist es jüdischen BürgerInnen nicht mehr erlaubt in österreichischen Sportvereinen Mitglied zu sein. So gründet sich in Wien im Jahre 1909 der später legendäre jüdische Sportclub Hakoah Wien, der anfangs durch sein erfolgreiches Fußballteam Furore macht und später, in den 1930er Jahren, mit seinem Damenschwimmteam nationale und internationale Erfolge feiert. 1939 können die meisten der Sportler und Sportlerinnen mithilfe Hakoahs vor den Nazis ins Ausland fliehen.

Der israelische Regisseur Yaron Zilberman stolperte vor drei Jahren zufällig über den Sportclub Hakoah und beschloss, nicht nur eine Dokumentation über die Vergangenheit zu drehen, sondern auch einen Blick auf das heutige Leben der ehemaligen Schwimmerinnen zu werfen. Er besuchte acht der Frauen in ihren neuen Heimatländern Israel, den USA und Großbritannien, führte Interviews und überzeugte sie schließlich von einem Zusammentreffen in Wien.

Keine der Frauen hatte ein gutes Gefühl, nach so langer Zeit wieder nach Österreich zu kommen. Erinnerungen an die Demütigungen, an die nie erbrachte Anerkennung von Leistungen wurden wach. 1936 verweigerten einige Schwimmerinnen die Teilnahme an den olympischen Spielen in Berlin. Das olympische Organisationskomitee erteilte den Sportlerinnen daraufhin ein lebenslanges Wettkampfverbot, frühere Erfolge wurden ihnen aberkannt. Erst in den 1990er Jahren entschuldigte sich der österreichische Schwimmverband.

"Hakoah – Club der Sirenen" spannt den Bogen vom jüdischen Leben in Wien im Vorfeld des Dritten Reiches, bis hin zu privaten Erinnerungen und Gefühlen der Sportlerinnen. (red)

Hakoah – Club der Sirenen
Dokumentarfilm von Yaron Zilberman
Montag, 28. November 2005
um 22:30 auf ARTE
  • Hedi Bienenfeld
    foto: arte/zadig productions
    Hedi Bienenfeld
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