Honduras: Wahlsieg für Oppositionskandidat Manuel Zelaya

29. November 2005, 08:33
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Rechtsliberaler Holz-Industrieller erhielt laut Exit Polls 50,6 Prozent bei Präsidentenwahl - Wahlkommission lässt Stimmen nachzählen

Tegucigalpa - Der Kandidat der oppositionellen Liberalen Partei (PL), Manuel Zelaya, hat die Präsidentenwahl in Honduras gewonnen. Das Ergebnis stehe nach Auszählung einer "wissenschaftlichen" Stichprobe fest, sagte der Präsident der Wahlkommission, Aristides Mejia, am Montag. Wegen einer laufenden Nachzählung wurde jedoch noch nicht das genaue Resultat genannt. Die Kommission hatte am Sonntagabend erklärt, Zelaya habe etwa 50,8 Prozent der Stimmen errungen, der Regierungskandidat Porfirio Lobo Sosa 45,2 Prozent. Zelaya erklärte sich zum Sieger der Wahl.

In der Hauptstadt Tegucigalpa feierten die Anhänger der Opposition. Sie schwenkten Fahnen der Liberalen Partei und fuhren hupend durch die Straßen. "Honduras hat ein neues Licht der Hoffnung", sagte Zelaya bei einer Pressekonferenz. "Jetzt beginnt eine Ära der Transparenz und der Gerechtigkeit." In einem Interview mit den örtlichen Medien wollte Lobo Sosa noch keine Niederlage einräumen. "Es ist ein knappes Rennen, und es wird eine lange Nacht des Zählens werden", sagte er.

Weil Lobo Sosa, der als Favorit in die Wahl um die Nachfolge von Staatspräsident Ricardo Maduro gegangen war, den Sieg von Zelaya nicht anerkannte, bat dieser als künftiger Präsident die Armee, das Wahlergebnis zu garantieren. Er warnte seinen Konkurrenten, die Lage im Lande zu destabilisieren. Lobo sagte später aber vor seinen Anhängern: "Das Wahlergebnis erlaubt nicht, dass wir uns zu Siegern erklären könnten." Der neue Präsident soll am 27. Jänner 2006 sein Amt antreten.

Kampf gegen Korruption

Zelaya hatte im Wahlkampf ein entschiedenes Vorgehen gegen die Korruption angekündigt. Lobo Sosa von der regierenden Nationalpartei (Partido Nacional/PN) sprach sich für die Einführung der Todesstrafe für schwere Straftaten wie Mord, Vergewaltigung und Entführung aus. Beide Kandidaten unterstützen ein Freihandelsabkommen mit den USA und versprachen im Wahlkampf die Schaffung von hunderttausenden Arbeitsplätzen.

Die beiden konservativen Parteien PL und PN wechseln einander seit zwei Jahrzehnten in der Führung des Landes ab. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 930 Dollar (793 Euro) seiner 6,5 Millionen Einwohner gehört Honduras zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Naturkatastrophen und der Verfall der Weltmarktpreise für Bananen und Kaffee haben das mittelamerikanische Land in Elend versinken lassen.

Wahlberechtigt waren fast vier Millionen Menschen. Sie entschieden auch über einen Vizepräsidenten, 128 Kongressmitglieder, 298 Bürgermeister und 2.000 Stadträte. Zur Sicherung der Wahllokale waren mehr als 16.000 Soldaten und Polizisten im Einsatz, die Abstimmung wurde von 6.000 einheimischen und 114 internationalen Wahlbeobachtern überwacht. (APA/AP/dpa)

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La Tribuna: Yo los perdoné, pero el pueblo no: "Mel" Zelaya

Das erste Interview mit dem neugewählten Präsidenten

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    Zelaya ist Großunternehmer in der Holzindustrie und für seine Vorliebe für Motorräder und das Gitarrenspiel bekannt.

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