Religiöse TV-Serien boomen in Italien

7. Dezember 2005, 11:23
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RAI rechnet mit Rekordeinschaltquoten für "Johannes Paul II" - Oscar-Preisträger Jon Voight in der Rolle von Karol Wojtyla

Religiöse Filme sind in Italien populär wie noch nie und bescheren den TV-Kanälen Rekordeinschaltquoten. Gute Drehbücher und schauspielerische Leistungen sowie intensive Filmszenen berühren die Zuschauer, die gespannt di mehrteiligen Serien verfolgen. Zuletzt lockte der zweiteilige Film über das Leben des Heiligen Petrus die Italiener vor die Bildschirme. Omar Sharif in der Rolle des Apostels begeisterte fast zehn Millionen Zuschauer und sicherte der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI einen Marktanteil von über 35 Prozent.

Noch größeren Erfolg erwartet sich die RAI mit dem TV-Film "Johannes Paul II", der diese Woche gesendet wird. Ausgehend vom Attentat auf dem Petersplatz im Mai 1981 zeichnet der an Originalschauplätzen gedrehte TV-Film mit Oscar-Preisträger Jon Voight, Vater der amerikanischen Schauspielerin Angelina Jolie, in der Hauptrolle in großen Linien das lange Pontifikat Johannes Pauls II. nach: Seinen Anteil beim Zusammenbruch des Kommunismus, sein Engagement für Frieden und Gerechtigkeit, seinen eisernen Willen, die katholische Kirche ins dritte Jahrtausend zu führen.

Originalaufnahmen

Die italienisch-amerikanische Koproduktion wird von der Firma "Lux Vide" präsentiert, deren Gründer der einstige RAI-Chef Ettore Bernabei ist. Mehrere Szenen des Films wurden im Vatikan gedreht. Den jungen Papst spielt der britische Schauspieler Cary Elwes. Bei der Beschreibung der Auslandsreisen etwa zu den Weltjugendtagen, nach Mexiko oder nach Israel verwendete Regisseur John Kent Harrison auch Originalaufnahmen.

Am Rande werden auch Konfliktthemen wie Proteste gegen das Frauenbild der Kirche oder der US-Missbrauchskandal gestreift. Im langen Schlussteil des TV-Films - dessen Produktionskosten rund 18 Millionen Euro betrugen - kehren acht Monate nach dem Tod Johannes Pauls II. die um die Welt gegangenen Bilder der still vor dem Fenster des sterbenden Papstes wartenden Menschenmenge oder die Zeremonie des Begräbnisses auf den Bildschirm zurück.

Konkurrenz

Papst Benedikt XVI. war vor wenigen Tagen bei der Uraufführung des Spielfilms in der "Aula Paolo VI" mit rund 7.000 ausgewählten Zuschauern anwesend. Bewegt verfolgte Josef Ratzinger den Zweiteiler mit den Hauptstationen im Leben seines Vorgängers. "Der Film führt auf höchst eindrucksvolle Weise den Zuschauern die menschliche und spirituelle Größe von Johannes Paul II. noch einmal vor Augen", kommentierte Benedikt XVI.

In der Produktion der TV-Serie über Johannes Paul II. machen einander die beiden stärksten TV-Gruppen Italiens scharfe Konkurrenz: Auch die Mediaset im Besitz des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi hat einen Film über Johannes Paul II. gedreht. In "Karol - Der Mann, der Papst wurde" ging es um die Jugend von Karol Wojtyla bis zu seiner Ernennung zum Papst. Die Serie basiert auf einem Essay des Vatikan-Experten Gianfranco Svidercoschi, "Die Geschichte Karols". Zwölf Millionen Euro kostete der erste Film, der bereits in mehrere Länder verkauft und mit großem Erfolg vom polnischen Fernsehen gesendet wurde.

Zwölf Millionen Italiener dabei

Über zwölf Millionen Italiener hatten den ersten Teil des Films verfolgt, der zwei Wochen nach dem Tod von Johannes Paul II. gesendet wurde. Johannes Paul II. hatte im November vergangenen Jahres noch den polnischen Schauspieler Piotr Adamczyk getroffen, der den jungen Papst spielt. Adamcyzk lebte in Polen, als Wojtyla 1978 zum Papst gewählt wurde. Während seines ersten Besuchs in seiner Heimat segnete er den damals sechsjährigen Adamcyzk auf der Straße. (APA)

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