Flakturm im Augarten: Grünes Licht für Datenlager?

2. Dezember 2005, 17:43
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Arbeiten könnten laut Betreiber im Frühjahr 2006 starten - laut Rathaus steht Verfahren erst ganz am Beginn

Wien - Wird das Datenlager im Wiener Augarten-Flakturm kommen? Der Betreiber ist sich sicher, aus dem Rathaus wird beschwichtigt. Die Errichtungsgesellschaft "DCV - Daten Center Vienna GesmbH" hat sich für eine Umsetzung entschieden und der APA die Pläne für das Bauvorhaben übermittelt. Die Arbeiten für die Sanierung und Adaptierung des Kriegsrelikts könnten demnach bereits im Frühjahr 2006 starten - wenn bis dahin alle Verfahren abgeschlossen sind.

Ansuchen um Genehmigungen

Die DCV will demnächst bei der Stadt Wien um die erforderlichen Baugenehmigungen ansuchen. In Sachen Denkmalschutz war das Unternehmen bereits erfolgreich. Zwar gab es zunächst Proteste von Seiten des Bundesdenkmalamtes, das übergeordnete Bildungsministerium stimmte dem Projekt aber schließlich zu.

Die Betreibergesellschaft hat nun geprüft, ob ein derartiger Hochsicherheits-Datenspeicher überhaupt wirtschaftlich zu betreiben ist - da die geschätzten Errichtungskosten laut einem DCV-Sprecher immerhin rund 80 Mio. Euro betragen dürften. Das Ergebnis ist demnach positiv ausgefallen. Das gewaltige Datenlager soll nach Angaben der DCV das erste dieser Art in Europa sein und bereits in der Anfangsphase rund 250 Menschen Arbeit bieten.

Reaktion aus dem Rathaus

Der Ausgang des Projekts ist noch völlig offen. Denn im Rathaus hat gerade erst das entsprechende Verfahren begonnen, betonte ein Sprecher des zuständigen Stadtrats Werner Faymann (S) im Gespräch mit der APA. Konkret ist derzeit das "Vorprüfungsverfahren" im Gang. Kritik an dem Projekt kommt aber jetzt schon - und zwar von den Wiener Grünen.

Das Vorprüfungsverfahren geht laut Rathaus dem eigentlichen Bauverfahren voran. Erst bei letzterem ist dann die Beteiligung von Anrainern vorgesehen. Derzeit gibt es laut Faymann-Büro noch gar keine konkreten Einreichpläne.

Kritik von grüner Seite

"Völlig unverständlich, warum der Flakturm von allen behandelt wird, als wäre er eine stinknormale Industriehalle im Inzersdorf", kommentiert die Planungssprecherin der Wiener Grünen Sabine Gretner, die aktuellen Ankündigungen der Betreiberfirma "DCV-Daten Center Vienna".

Es werde nun begonnen, historisch bedeutsame Bauten, die unter Denkmalschutz stehen, wesentlich zu verändern und umzunutzen. Eine derart "massive Veränderung" eines geschützen Gebäudes in einem geschützten Park könne aber sicher nicht umgesetzt werden, betonte Gretner.

"Dieses Mahnmal steht nicht zufällig unter Denkmalschutz und sollte dementsprechend behandelt werden. Wir fordern eine Nutzung, die historische Zusammenhänge erklärt und erfahrbar macht", so die Grün-Politikerin weiter. Im "Gedenkjahr 2005", so zeigte sie sich überzeugt, wäre es nicht unmöglich gewesen, den Flakturm zu reinigen, abzusichern und zugänglich zu machen.

>>> Mehr zu den DCV-Plänen

DCV-Pläne: Der riesige Speicher ist auf Grund der dicken Betonwände vor Schall, Wärme und Strahlung völlig abgeschirmt. Gedacht ist er für Unternehmens- und Versicherungsdaten, Bankkonten oder ähnlich heikles Datenmaterial. Zu Beginn sollen auf rund 10.000 Quadratmetern etwa 5.000 Server betrieben werden.

Der Zugang zu dem Bau wird ausschließlich durch einen vom Park aus nicht wahrnehmbaren Tunnel erfolgen. Im Gegensatz zu anderen Datencentern werden auch nur eine sehr beschränkte Anzahl von Mitarbeitern Zugang erhalten, um das Sicherheitsrisiko möglichst gering zu halten.

Der - vorerst noch desolate und verwahrloste - Flakturm ist Eigentum der Republik Östereich. Das Wirtschaftsministerium hat als zuständige Behörde den Flakturm an die Errichtungsgesellschaft DCV unbefristet vermietet.

Sanierung

Laut DCV ist eine aufwändige Sanierung des Turms notwendig. Er ist im Inneren so schwer beschädigt, dass sich immer wieder Betonbrocken lösen. Außerdem ist der innere Bereich von einer meterdicken Schicht von Taubenkot und Taubenkadavern bedeckt - diese "biologische Bombe" müsse sofort entschärft werden, hieß es.

Die gesamte Bauzeit soll maximal drei Jahre betragen. Geplant ist dabei die Aufstockung des Turms um drei Geschoße bzw. rund 16 Meter. Ängste der Anrainer vor dem Projekt seien unbegründet, wurde versichert. Laut DCV profitieren nämlich auch die Parkbenutzer - unter anderem sei die Reaktivierung eines derzeit geschlossenen Augarten-Eingangs im Bereich Obere Augartenstraße geplant.

Weiters sollen das benachbarte Kinderbad bzw. ein Pensionistenheim von der zu errichtenden Infrastruktur profitieren und kostenlos mit Fernwärme versorgt werden. Die Betreiber kündigten zudem die Pflanzung von 80 Bäumen und Investitionen in Kinder-Freizeit-Einrichtungen an. Auch die - von Anrainern befürchtete - Verkehrslawine soll es nicht geben: Denn die Übertragung der Daten erfolge über Kabel, wurde von Seiten der DCV versichert. (APA)

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    Schlussendlich fixiert: Das Datenlager im Wiener Augarten-Flakturm.

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