CVC neuer Haupteigentümer

7. Dezember 2005, 15:46
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Königsklasse nun in den Händen einer Invest­mentgruppe, Ecclestone aber weiter im Geschäft - Bayerische Landes­bank gibt Anteile ab

Frankfurt/München - Die Investmentgruppe CVC Capital Partners ist neuer Haupteigentürmer der Formel 1. Über die neu gegründete Firma Alpha Prema kaufte das in Europa und Asien tätige Unternehmen die 50 Prozent Anteile an der Königsklasse von der Bayerischen Landesbank (Bayern LB) und die 25 Prozent von Bernie Ecclestones Bambino Holding auf. Dies gab die Bayern LB am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt.

Geschäftsführer der neuen Firma ist Mitaktionär Ecclestone, der damit weiter im Rennen um die Macht in der Königsklasse bleibt. Ein Preis für den Einstieg der britischen Investmentgruppe, die erst im Sommer sechs Milliarden Euro für einen Buyout-Fonds eingesammelt hatte, wurde nicht genannt.

"Langfristige Strategien und Visionen"

"Wir sind sehr erfreut, dass wir mit CVC einen Aktionär haben, dessen langfristige Strategien und Visionen den Teams, Veranstaltern und Herstellern Stabilität verschaffen werden", kommentierte Ecclestone den Deal, der auch im Kampf mit den Herstellern und deren geplanter neuer Rennserie die Karten neu mischt. CVC, das bereits Anteile an der Motorrad-WM hält, sei ein idealer Partner für die Formel 1, so Ecclestone. Offen bleibt dabei, welche Macht der 75-Jährige von nun an tatsächlich in der Formel 1 besitzt.

Neben dem Briten gehören der bisherige Vorsitzende der SLEC-Holding und Bayern-LB-Vorstand, Gerhard Gribkowsky, Donald Mackenzie und ein nicht genannter Bambino-Mitarbeiter dem Vorstand von Alpha Prema an. "Die Bayerische Landesbank ist froh, die Anteile an einen glaubwürdigen Investor mit einer langfristigen Vision und erheblicher Erfahrung im Motorsport zu verkaufen", sagte Gribkowsky. Mit CVC als Teilhaber und dem fortwährenden Engagement Ecclestones sowie dessen Familienfonds "haben wir nun die Ressourcen, dieses Geschäft und diesen Sport zum vollen Potenzial zu entfalten".

Gesamtwert über eine Milliarde Euro

Die nun noch verbliebenen 25 Prozent Anteile, die nicht im Besitz von Alpha Prema sind, gehören weiter den beiden Banken JP Morgan und Lehmann Brothers. Finanzkreisen zufolge spricht CVC auch mit den beiden US-Investmentbanken über ihre Anteile. Der Gesamtwert der Formel 1 wird auf weit über eine Milliarde Euro taxiert. Ecclestone hatte kürzlich ein Angebot der asiatischen Investmentgruppe Hutchinson Whampoa über angeblich 1,2 Milliarden Euro abgelehnt.

Die Besitzverhältnisse bei der Formel 1 sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für großen Ärger. Vor allem die mit Milliardeninvestitionen in ihre Teams an der Serie beteiligten Autohersteller waren in der Vergangenheit unzufrieden mit der Besitzkonstruktion und hatten mit der Gründung einer eigenen, neuen Serie gedroht. Eine Neuordnung der Besitzverhältnisse war auch deswegen erwartet worden, weil die Bayerische Landesbank sich bereits seit längerem von ihren Anteilen trennen wollte. Dem Münchener Geldhaus waren die Anteile des früheren Medienmoguls Leo Kirch zugefallen, als dessen Imperium zerfiel und er Kredite nicht zurückzahlen konnte.

CVC wird Verhandlungen zwischen F1 und Teams unterstützen

Durch die neuen Eigentumsrechte kann vielleicht auch die endgültige Spaltung, mit der BMW-Vorstand Burkhard Göschel drohte, verhindert werden. Wenn die von fünf Herstellern geforderte Reform der Formel 1 nicht möglich sei, werde man diese Route gehen, sagte er der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe). Dann gebe es "kein zurück mehr. Es fehlt nur noch der letzte Beschluss". Er räumte dem Internationalen Automobil-Verband (FIA) eine Entscheidungsfrist bis zum Jahresende ein.

Mit "Interesse" nahm die Hersteller-Vereinigung, der neben BMW auch Mercedes, Renault, Toyota und Honda angehören, nun die Meldung über den Verkauf zur Kenntnis. "Wir gehen gerne in einen Dialog mit Alpha Prema", sagte Sprecher Xander Heijnen. Man stehe aber nach wie vor hinter den Bemühungen, die Formel 1 für alle Interessengruppen zu verbessern und setze "die Aufbauarbeit für unsere Rennserie unvermindert fort".

Mit dem Verkauf könnten aber die Ampeln doch noch auf Grün springen. "Es könnte dazu kommen, dass durch diesen Schritt eine Einigung erzielt wird, aber es wäre noch zu früh zum Jubeln", sagte ein Insider der dpa. Fakt ist, dass das Concorde Agreement, das die Abläufe in der Formel 1 regelt, 2007 ausläuft und dass lediglich Ferrari und Red Bull bisher die neue "Verfassung" unterzeichnet haben. "CVC wird die Verhandlungen zwischen der Formel 1 und den Rennteams unterstützen, um eine Verlängerung des Concorde Agreements zu ermöglichen", sagte MacKenzie.(APA/dpa/AFP/Reuters)

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