Tschadischer Ex-Präsident Habre erneut festgenommen

2. Dezember 2005, 16:58
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Afrikanische Union soll über weiteres Schicksal entscheiden - Belgien fordert Auslieferung wegen Kriegsverbrechen

Dakar - Zehn Tage nach seiner Verhaftung ist der tschadische Ex-Präsident Hissène Habré im Senegal vorübergehend auf freien Fuß gesetzt, am Samstag jedoch wieder festgenommen worden. Einer Anweisung von Innenminister Ousmane Ngom zufolge soll der amtierende Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo, über das weitere Schicksal Habres entscheiden.

Habre war am 15. November im Senegal verhaftet worden. Belgien verlangt seine Auslieferung, weil er sich dort wegen Kriegsverbrechen verantworten soll. Ein Gericht in Dakar erklärte am Freitag jedoch, es verfüge nicht über die Kompetenz, über eine Auslieferung zu entscheiden, und setzte ihn auf freien Fuß. Wie sich die AU nach der abermaligen Festnahme Habres des Falls annehmen kann, ist unklar. Entsprechende Gerichte gibt es in der Afrikanischen Union nicht. Habres Anwalt Al Hadj Diouf sagte, niemand verstehe die Anweisung des Innenministers. "Obasanjo ist kein Richter." Auch ein Vertreter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sagte, die Anordnung der Regierung sei unklar.

Habre lebte in Dakar, seit er vor 15 Jahren von Rebellen gestürzt wurde. Der 63-Jährige regierte in der ehemaligen französischen Kolonie von 1982 bis 1990. Eine 1992 im Tschad eingesetzte Kommission kam zu dem Schluss, dass es während seiner Regierungszeit zu 40.000 politisch motivierten Morden und 200.000 Fällen von Folter kam. Belgien hat im vergangenen Monat die Auslieferung Habres verlangt. Das belgische Gesetz zur Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gilt unabhängig vom Ort der Straftaten und der Nationalität der Beschuldigten.

Habre war nach mehrjährigem Bürgerkrieg 1982 in N'Djamena an die Macht gelangt. Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen dauerten fast während der gesamten Amtszeit bis zu seinem Sturz 1990 an. In dieser Zeit sollen von Habrés Einheiten bis zu 40.000 Menschen umgebracht worden sein. (APA/red)

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