Skoceks Zeitlupe: Good bye Liga!

24. November 2005, 20:21
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Stronachs Abgang zeigt, dass es der Liga und der Austria nie gelang, Stronachs Kraft voll zum Tragen zu bringen

"Er hatte überhaupt keinen Gram, und er hat versprochen, der Bundesliga Richtung EM 2008 zu helfen." Martin Pucher, Vizepräsident eben dieser Fußball-Bundesliga, erfuhr am Donnerstagmittag als Erster von Frank Stronachs Abschied als Ligapräsident, wenige Tage nach Stronachs Entscheidung, den Betriebsführungsvertrag seiner Sport Management International mit der Austria zu kündigen. Am 2. Dezember wird Stronach auf der Generalversammlung der Bundesliga seine Präsidentenfunktion zurücklegen. Österreichs Fußball hat den kapitalkräftigsten und umstrittensten Investor aller Zeiten - bis auf Randbereiche, wie die Akademie in Hollabrunn - verloren.

Seit 1999 hat die Liga die finanzielle Förderung ("Österreicher-Topf") junger österreichischer Kicker in der zweiten Leistungsstufe (Red Zac Erste Liga) statutarisch verankert. Der neue TV-Rechtevertrag mit Premiere (2004 bis 2007) spiegelt den Wunsch nach Konkurrenz und Markt in einem für den Fußball zentralen Feld wider.

Stronachs Abgang zeigt freilich auch, dass es der Liga und der Austria nie gelang, Stronachs Kraft voll zum Tragen zu bringen. Die Personalunion von Klub-Betriebsführer und Ligapräsident sowie die finanzielle Unterstützung diverser Klubs zeigten eher fürstliche, denn marktwirtschaftliche Züge. Die Sehnsucht des Unternehmers, dem Respekt durch den Fußball die Liebe zuzukaufen, wurde durch sein autokratisches Management und seine Ferne von den Sorgen und vom Tagesbetrieb zunichte gemacht. Er ließ sich nie beraten, das mag dem Autozulieferer in seinem bekannten Gebiet von Nutzen gewesen sein. Im Fußball verstärkte es das Fremdeln, das er bei Fußballern, Funktionären und Fans trotz guten Willens und guter Taten erweckte. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 25. November 2005, Johann Skocek)

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