Gelddrucker von Rechnungshof zerzaust

8. Dezember 2005, 18:49
29 Postings

Rechnungshof zerpflückt Banknotendruckerei der Nationalbank: zu hohe Kosten, fehlende Managementqualität, schlechte Produkte, unausgelastetes Personal

Wien – Der Rechnungshof hat gestern seinen Bericht zur Banknotendruckerei der Oesterreichischen Nationalbank vorgelegt – und zerzaust die Oesterreichische Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH (OeBS) darin kräftigst. Er empfiehlt der Nationalbank als Eigentümerin "ihre strategische Position zur Fortführung der eigenen Banknotendruckerei kritisch zu überdenken". Der OeBS sei es "bisher nur unzureichend gelungen, wesentliche strategische Ziele zu erreichen", die Erwartungen des Unternehmens und seines Eigentümers Notenbank (OeNB), hätten sich "nicht erfüllt".

Der Rechnungshof (RH) hat die Banknotendruckerei, die 1998 aus der Notenbank ausgegliedert wurde, unter die Lupe genommen, nachdem sie bereits 2003 in Turbulenzen geraten war. Wie der STANDARD ab Juli 2004 exklusiv berichtet hatte, waren die Banknotenmacher unter Druck geraten, weil sich die Zahl der Aufträge in Grenzen hielt und vorhandene Aufträge schlecht erledigt wurden.

2003 verbuchte die OeBS bei einem Umsatz von 14,8 Mio. Euro einen Verlust von 15,6 Mio. Euro, so der RH. Im Jahr darauf lag das Betriebsergebnis mit 21,2 Mio. Euro im Minus, bei einem Umsatz von 33,5 Mio. Euro.

Problemkreis Singapur

Als eines der Hauptprobleme hatte sich ein Auftrag aus Singapur erwiesen. Die rund 280 Banknotendrucker (inzwischen hat die Notenbank überlassene Mitarbeiter zurück ins Haus geholt, "fremde" wurden gekündigt) sollten eine halbe Milliarde Singapur-Dollars produzieren. Auftragsvolumen: rund 20 Mio. Euro. Doch massive Kalamitäten machten den ersten Fremdauftrag des Unternehmens, das jedes Jahr eine von der Europäischen Zentralbank fixierte Quote Euronoten druckt, zur Zitterpartie. Die Notenbanker hatten anfangs auf das Absichern des Währungsrisikos vergessen, fakturiert wurde aber in Singapur-Dollar, und der Dollar fiel. Zudem gab es Qualitäts- und Transportprobleme.

Grund genug für den Rechnungshof den Notenbankern ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Bis 2004 sei es der OeBS "nur unzureichend gelungen, ihre strategischen Ziele zu erreichen, auch nicht jenes nach kostendeckender Produktion zu marktüblichen Preisen". Die (von der Ausgliederung aus der OeNB, Anm.) "erwartete Flexibilität und Wettbewerbspositionierung blieben weit gehend aus", heißt es in dem 37-seitigen Druckwerk. Auch der Andrang von Fremdaufträgen blieb aus, weswegen "der Banknotendruck in einer eigenständig agierenden OeBS als noch nicht langfristig abgesichert beurteilt werden konnte". Schon die Bestellung des kaufmännischen Chefs (befristeter Chefvertrag, aber unbefristetes, nur aus wichtigen Grunde kündbares Angestelltenverhältnis) kritisieren die Prüfer – zumal die "großzügigen Vereinbarungen mit ihm zu einer unverhältnismäßig hohen Gesamtabgeltung" führten. Beim Personalwesen spricht der RH von "mangelnder Beharrlichkeit und fehlenden Konsequenzen des Aufsichtsrats hinsichtlich Einsparungen".

Schlechte Aussichten

Schwarz malen die Prüfer auch die Zukunft, denn es seien zwar Verbesserungspotenziale aufgezeigt worden, "aber es wird noch weiter gehender Maßnahmen bedürfen, um die Unternehmung auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu heben und ihren langfristigen Bestand zu sichern." Die von der – neuen – Geschäftsführung gesetzen Sanierungsschritte lassen aber ein wenig Hoffnung zu, für die Folgejahre sei eine "Ergebnisverbesserung zu erhoffen", schreiben die RH-Prüfer – allerdings mit einer Prise Skepsis. Denn: "Für den Fall des Weiterbestandes der Banknotendruckerei werden weiter gehende Kostenoptimierungen beim Personal und im Beschaffungswesen sowie die Fortsetzung der Qualitätssteigerungen im Produktionsprozess und der Kooperationen im Akquisitionsbereich erforderlich sein." Heuer sollen die Banknotendrucker laut OeNB ausgeglichen bilanzieren. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.11.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Rechnungshof hat die Banknotendruckerei genau unter die Lupe genommen und lässt nun in seinem Prüfbericht kein gutes Haar an ihr.

Share if you care.