Der Enziplateauschuh löst Sorgen und Probleme beim Punschtrinken

29. November 2005, 20:12
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Mit Moonboots im Alltag erwischt zu werden, ist nicht jedermanns Sache

Es war vor etwa einer Woche. Am Tag nach der Eröffnung des Winterzaubers im Museumsquartier. Und vermutlich habe ich da dann den Schlüssel für ein sorgenfreies Leben aus der Hand gegeben.

Wir standen nämlich gerade in der Galerie Nächst St. Stephan bei der Vernissage des Malers B., als die beiden Winterzauber-Architekten P. und P. herein kamen. Und weil wir uns tags zuvor frierend und bibbernd in und vor ihrem „Enzidrom“ bei der lokalen Punschstanderöffnerei gegenseitig versichert hatten, wie sehr wir uns alle auf den Frühling freuten und für wie unendlich groß wir das Missverständnis, im Winter im Freien überteuerten und übersüßte Heißalkoholika trinken zu müssen, hielten, setzten wir das Gespräch genau dort fort, wo es am Abend zuvor geendet hatte.

Punschismus

Da wir aber im Warmen & Trockenen standen, verplapperte ich mich. Und eröffnete P. und P., dass ich nun – nach jahrelangem Rätseln und Suchen nach dem Grund, der mich nicht zum begeisterten Punschisten werden lässt – eine Lösung gefunden hätte: Der Schwachpunkt beim Punschtrinken sind die Füße. Genauer: Egal wie dick man sich obenrum anzieht, unten schlägt dann irgendwann doch immer die Kälte zu. Weil nicht einmal die begeistertsten Fashionvictims in irgendwelchen Uggs-Ableitungen dann den ganzen Weg zu Hansi Hinterseer beschreiten wollen.

Schließlich legt man tagsüber zwar Mäntel und Jacken, aber kaum die Schuhe ab – und mit Moonboots im Alltag erwischt zu werden, ist eben auch nicht jedermanns Sache. Aber genau dafür hatte ich nun die Lösung gefunden: So wie man sich sein Häferl per Pfandsystem ausborgt, könnte man ja auch Moonboots gegen Pfand bereit stellen. Denkbar brabbelte ich, wären da auch Kombiangebote. Und Souvenir-Packages von Tasse & Schuh.

Moonboot, körperwarm

Die Architekten nickten bedächtig. Und wandten ein, dass es aber vielleicht nicht jedermanns Sache sei, vorgetragene Schuhe – eventuell sogar noch körperwarm – anzuziehen. Mein Argument, dass das bei Eislauf- und Bowlinganlagen ja auch funktioniere, ließen sie nicht gelten.

Aber P. und P. dachten weiter: Ausschlaggebend für den Eiszeh, meinten sie, sei ja weniger die Ummantelung des Beines, als die Unterfütterung des Fußes. Im Grunde würden ja isolierende Überschuhe – ähnlich holländischen Holzpantoffeln – alle Probleme lösen. Und obendrein noch Überblick verschaffen. Eigentlich, sinnierten die beiden, hätten sie mit ihren preisgekrönten MQ-Herumliegemöbeln ja sogar eine Form entwickelt, die sich (kleiner und ausgehöhlt) da perfekt eignen würde. Die Idee, meinten P. und P., sei wirklich überlegenswert.

Panikattacke

Wir lachten gemeinsam, dann gingen wir auseinander. Und am nächsten Tag streifte mich die Panik: was, wenn die beiden das wirklich umsetzen? Und zum Patent anmelden? Und weltweit (zumindest in den punschhüttenanfälligen Zonen der Welt) damit abcashen? Für mich würde da vermutlich gerade ein Paar Enziplateauschuhe abfallen. Und soviel Punsch, um all die Neidgefühle, die in mir dann aufsteigen würden, zu ertränken, könnte ich nie im Leben trinken.

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von Thomas Rottenberg

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