Reaktionen: Reform kann umgesetzt werden

8. Dezember 2005, 18:33
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Geringere Preissenkung "Erfolg" - Agrana: mögliche Schließung einer der drei Zuckerfabriken bleibt - Bauernbund zufrieden

Wien - Österreichs börsenotierter Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana zeigte sich in einer ersten Reaktion auf die heute vereinbarte Reform der EU-Zuckermarktordnung gespalten. Zum einen sei es zwar als Erfolg zu werten, dass die Preissenkungen auch ohne eine so genannte "Review-Klausel" geringer ausfallen als ursprünglich geplant, zum anderen stehe die mögliche Schließung einer der drei Zuckerfabriken in Österreich nach wie vor im Raum, sagte Agrana-Generaldirektor Johann Marihart zur APA.

Wichtig sei zudem, dass für die nächsten zwei Jahre der Referenzpreis für Zucker auf dem Niveau des alten Interventionspreises erhalten bleibe und damit sichergestellt würde, dass der Restrukturierungsfonds gut ausgestattet sein werde.

Ergebnisse können umgesetzt werden

Die Ergebnisse der Verhandlungen seien so ausgefallen, dass die EU-Zuckermarktreform umgesetzt werden könne, betonte Marihart.

Zum Unternehmen Agrana selbst sei die Position unverändert geblieben. Die Produktionsgebiete liegen zum Großteil in EU-Gunstlagen, so Marihart zur APA. So soll auch das bisherige Produktionsvolumen aufrecht erhalten bleiben.

Durch die Zuckerpreissenkung seien aber nach wie vor Maßnahmen zur Kostenoptimierung notwendig, um weiterhin am Markt wettbewerbsfähig bleiben zu können und damit das Unternehmen "nachhaltig abgesichert" sei. Eine Entscheidung über eine mögliche Schließung einer der drei Zuckerfabriken soll bis Ende des Geschäftsjahres (per Ende Februar) fallen.

Bauernbund zufrieden

Der Österreichische Bauernbund zeigte zufrieden. Landwirtschaftsminister Josef Pröll habe bei den Verhandlungen entscheidende Verbesserungen für die heimischen Rübenbauern erreicht und damit den Existenz gefährdenden Vorschlag der Kommission noch abfedern können.

Österreich habe sich mit allen drei im Vorfeld geäußerten Bedingungen für eine Zustimmung zur Reform durchgesetzt: es werde eine geringere Preissenkung als geplant geben, eine höhere Ausgleichszahlung, einen ausreichend dotierten Restrukturierungsfonds und die Bindung der Ausgleichszahlung an die Quote statt an die Fläche, so Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch, der besonders das nationale Sonderpaket in Höhe von 9 Mio. Euro begrüßte.

LK-Präsident Schwarzböck "geht zu weit"

Für die Landwirtschaftskammer Österreich geht die Neuordnung des europäischen Zuckermarkts zu weit. "Die Einkommenseinbußen unserer Rübenbauern werden nicht voll ausgeglichen", hält Landwirtschaftskammer-Präsident Rudolf Schwarzböck am Donnerstagabend in einer Reaktion fest.

Zwar seien "die Radikal-Vorschläge der Kommission" zur Reform des europäischen Zuckermarktes "mit weit überzogenen Rübenpreissenkungen ohne volle Kompensation" im Sinne der europäischen Rübenbauern etwas gemildert worden. "Die Wiederherstellung fairer Marktchancen für die europäischen Zuckerrübenbauern ist damit aber sicher nicht gelungen", so Schwarzböck. (APA)

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