WDR überprüfte 90 Filme auf Schleichwerbung: 53 Beanstandungen

27. Dezember 2005, 15:30
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Fast alle waren "Tatorte"

Nach der Schleichwerbungsaffäre in der ARD hat der Westdeutsche Rundfunk (WDR) 90 Filme überprüft und in 53 von ihnen Anhaltspunkte für mögliche Produktreklame gefunden, sagte WDR- Fernsehfilmchef Gebhard Henke bei der Vorstellung des Programms 2006 in Köln. Der WDR nahm Produktionen unter die Lupe, die seit 1994 entstanden.

Fast alle 53 Filme, aus denen verdächtige Szenen herausgeschnitten wurden, sind "Tatorte". Durch die Prüfung lagen Produktionen im Wert von 75 Millionen Euro zeitweise fest und standen als Wiederholungen nicht zur Verfügung.

Der WDR will die von den Produzenten gelieferten Filme künftig nicht mehr nur redaktionell abnehmen, sondern auch von Juristen prüfen lassen. Auf die Frage, warum bei der Prüfung jetzt verdächtige Szenen entdeckt wurden, die in den vergangenen Jahren bei der Abnahme durch Redakteure unbeanstandet blieben, sagte Henke: "Wir sind ständig über Auffälligkeiten gestolpert." Die Produktionsfirmen hätten auf Rückfrage aber versichert, dass keine Marken bewusst und für Geld ins Bild gerückt worden seien.

Es sei ein bisschen, als habe eine betrogene Ehefrau Jahre lang den Beteuerungen ihres Mannes geglaubt, dass er keine Affäre habe, bevor die Wahrheit ans Licht kam, sagte Henke. "Da ist auch viel persönliche Bitterkeit dabei. Wir haben in zwei verschiedenen Wahrheiten gelebt." Mittlerweile habe sich die Wahrnehmung verändert. Leuchtreklamen im Hintergrund einer Szene erregten nun ebenso Verdacht wie Biermarken, die deutlich zu erkennen sind. (APA/dpa)

Die Affäre war durch die Entdeckung von Schleichwerbung in den ARD-Serien "Marienhof" und "In aller Freundschaft" ausgelöst worden. Bei Überprüfungen wurden auch in "Tatorten" Szenen entdeckt, in denen verdeckt geworben wurde. Dafür hatten Firmen Geld an die Produktionsfirmen gezahlt. Der Chef der ARD-Tochter Bavaria, Thilo Kleine, war im Juli fristlos entlassen worden.
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