Diplomat Wilson: USA täuschten Blair vor Irak-Krieg

29. November 2005, 19:42
9 Postings

Demokratischer Politiker: Beamte im Weißen Haus spielten ein "doppeltes Spiel" mit ihren britischen Verbündeten

London - Der britische Premierminister Tony Blair ist nach Aussage eines hohen US-Diplomaten im Zuge des Irak-Konflikts von den USA getäuscht worden. Die Beamten im Weißen Haus hätten ein "doppeltes Spiel" mit ihren britischen Verbündeten gespielt, sagte Joseph Wilson dem Sender BBC Radio 4 am Donnerstag.

Der demokratische Politiker Wilson war als Diplomat in die Vorbereitungen zum Irak-Krieg eingebunden und wegen seiner Kritik am Vorgehen der USA in die Schlagzeilen geraten. Seine Frau, Valerie Plame, wurde daraufhin als CIA-Agentin enttarnt. Ein Gerichtsverfahren versucht derzeit in Washington zu klären, ob diese Enttarnung eine Vergeltung des Weißen Hauses an Wilson war.

Entwaffnung oder Regimewechsel

Die Briten hätten in den Monaten vor der Kriegsentscheidung stark auf eine Entwaffnung des Irak hingearbeitet, sagte Wilson. "Als Blair in die USA kam, redete Bush noch über einen Regimewechsel. Und als Blair wieder ging, fing Bush an, über eine Entwaffnung des Irak zu reden."

Bush sei dann, unter dem Einfluss der Briten, an die Vereinten Nationen herangetreten, in Wirklichkeit aber hätten die neokonservativen Kreise im Weißen Haus immer an einer Strategie zu einem Regimewechsel festgehalten. "Ich denke, Blair glaubte wirklich, dass er in eine Entwaffnungskampagne eingebunden werden würde, was gut gewesen wäre", sagte Wilson. "Ich glaube, am Ende wurde er von den Befürwortern eines Regimewechsels im Irak hintergangen." (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ex-Botschafter Joseph Wilson hat kürzlich sein Buch "Politics of Truth: Inside the lies that led to war and betrayed my wife's CIA Identity" präsentiert

Share if you care.