Stimmen: Edlinger "kein Stronach-Gegner" - Grad: "Es ist nicht die feine Art"

24. November 2005, 16:00
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Friedrich Stickler (ÖFB-Präsident): "Ich glaube, Frank Stronach war für den österreichischen Fußball ein wesentlicher Proponent. Wenn ich seine Verdienste Revue passieren lasse - die Akademie, Österreicher-Topf, Positionierung der Red Zac Liga, Bekenntnis zur Förderung des Nachwuchs - dann steht sehr viel auf der Plus-Seite. Die Zusammenarbeit zwischen der Bundesliga unter Stronach - und da schließe ich Martin Pucher mit ein - war eine sehr gute. Ich hoffe, dass das so bleibt. Martin Pucher hat sich in den vergangenen Jahren als kluger und ausgleichender Vertreter sehr profiliert. Im Hinblick auf die EURO 2008 und dem Wellental, in dem wir sind, müssen wir alle zusammen helfen."

Georg Pangl (Bundesliga-Vorstand, nach einem Gespräch mit Stronach): "Es war überhaupt kein Groll dabei, Stronach war entspannt. Er hat gesagt, dass er mit den Präsidenten Ziele erreicht und mit der Akademie etwas geschaffen hat. Er hat aber auch gesagt, dass er dem Fußball erhalten bleibt. Die Entscheidung ist für mich überraschend gekommen, auch wenn ich mir nach dem Austria-Rückzug natürlich Gedanken gemacht habe. Wir werden bis zur Generalversammlung die Satzungen durchchecken. Der Wunsch von Stronach ist, dass am 2. Dezember ein neuer Präsident gewählt wird."

Hannes Kartnig (Präsident Sturm Graz): "Schade, aber ich möchte keine Stellungnahme abgeben."

Rudolf Edlinger (Rapid-Präsident): "Gemäß den Satzungen muss die Bundesliga jetzt einen neuen Präsidenten bestellen. Sonst kann ich seine Entscheidung nicht weiter kommentieren. Ich war kein Gegner von Stronach, sondern nur ein Gegner seiner Doppelfunktion bei der Bundesliga und der Austria. Nach seinem Rückzug bei der Austria hätte es mich nicht gestört, wenn er Präsident geblieben wäre. Stronach hat viel für die Austria getan, für den österreichischen Fußball bleibt nur die Nachwuchs-Akademie."

Franz Grad (Pasching-Präsident): "Den Schritt bei der Austria kann ich nachvollziehen, den Ausstieg bei der Bundesliga nicht mehr. Es ist nicht die feine Art, eine Woche vorher zu sagen, macht euch das selber. Die Nachhaltigkeit der Entscheidung fehlt, es gab keine Veranlassung. Jetzt hätte er endlich frei arbeiten können. Ich finde es nicht fair, dass Stronach geht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bis 2. Dezember eine Persönlichkeit gefunden wird, die den Fußball in Österreich formen kann. Wir brauchen einen, der der Liga den Stempel aufdrücken und Türe und Tore öffnen kann. Wir brauchen einen, der uns profiliert und nicht einen, der sich auf unsere Kosten profiliert. Die zwei Vize-Präsidenten sollen das vorerst weiterführen und man soll in Ruhe einen Nachfolger suchen."

Peter Vogl (Ried-Vorstand und Bundesliga-Aufsichtsrat): "Es ist eine Katastrophe, dass der österreichische Profifußball so eine wichtige Person verliert. Jede Sportart würde für so einen Geldgeber den Roten Teppich ausrollen, nur bei uns wird er hinausgeekelt. Ich bedanke mich recht herzlich bei den so genannten 'Austria-Revoluzzern'. Aus einem lokalen Austria-Brand ist ein österreichweiter Flächenbrand geworden. In seiner Funktion als Aufsichtsratschef hat Stronach durch Autorität und Persönlichkeit für Ordnung im Betrieb gesorgt. Wenn jetzt eine nicht so machtvolle Person den Posten übernimmt, sehe ich ein Problem auf die Liga zukommen. Was da abgelaufen ist, ist nicht nur ein Eigentor. 'Eigentor' wäre für die Verfehlungen zu gelinde ausgedrückt."

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