Stronach zieht sich ganz zurück

25. November 2005, 17:17
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Der Austro-Kanadier legt auch Amt als Bundes­liga-Prä­sident zurück - Bei Versammlung am 2. Dezember steht er nicht mehr zur Verfügung

Wien - Frank Stronach scheint es mit seinem Ausstieg aus dem Fußball-Geschäft ernst zu meinen. Der große Mäzen der vergangenen Jahre in der Branche hat am Donnerstag auch seinen Rücktritt als Bundesliga-Präsident angekündigt. Erst drei Tage zuvor hatte sein Magna-Konzern die Auflösung des Betriebsführungsvertrages mit der Wiener Austria angekündigt.

Vorerst reagierte Stronach aber auf den Gegenwind, der ihm aus Fußball-Österreich für seine Millionen entgegengeweht war. Der schwerreiche Großindustrielle schloss seine Absichtserklärung an die Klub-Präsidenten, bei der Bundesliga-Hauptversammlung am 2. Dezember seine Funktion zurückzulegen, mit den Worten: "Ich wünsche jedem von Euch, Euren Vereinen, der Bundesliga und dem gesamten österreichischen Fußball viel Erfolg und eine gute Zukunft!" Ein weiteres Engagement in der bisherigen Form lässt das nicht erwarten.

"Kein Groll dabei"

Zuletzt hatten mehrere Bundesliga-Klubs gehofft, nach dem Austria-Ausstieg von Stronachs Millionen profitieren zu können. Laut Aussagen von Bundesliga-Vorstand Georg Pangl, der bei einem Gespräch mit dem Magna-Gründer in Oberwaltersdorf von dessen Entscheidung informiert worden ist, will Stronach aber "dem Fußball weiter erhalten bleiben. Bei seiner Entscheidung war absolut kein Groll dabei", erklärte Pangl.

Stronach hatte das Amt des Bundesliga-Präsidenten am 14. Februar bei der Wahl in Graz mit 65 von 80 Prozent der Delegierten-Stimmen ausgestattet angetreten und war 2002 einstimmig wiedergewählt worden. Von mehreren Seiten waren allerdings Stimmen laut geworden, die die Unvereinbarkeit seiner Funktionen bei der Bundesliga und dem FK Austria Magna kritisiert hatten. Der Fall beschäftigte auf Antrag von Rapid-Präsident Rudolf Edlinger sogar das Ethikkomitee der Bundesliga, der Austro-Kanadier blieb aber im Amt.

Edlinger: "Doppelfunktion war nicht vertretbar"

"Es hätte mich nicht gestört, wenn Stronach Bundesliga-Präsident geblieben wäre. Nur die Doppelfunktion war für mich nicht vertretbar", sagte Edlinger. "Für die Austria hat Stronach viel getan, was für Österreich bleibt ist aber nur die Nachwuchs-Akademie. Als SK Rapid habe ich davon nichts gehabt", meinte der ehemalige Finanzminister, der es "als gutes Recht eines reichen Mannes" sieht, "mit seinem Geld zu machen, was er will."

Nun sieht der reiche "Onkel Frank" den richtigen Zeitpunkt, "die verantwortungsvolle Funktion des Präsidenten in neue Hände zu geben". Wer das entstandene Loch bei der Hauptversammlung am Freitag in einer Woche füllen soll, war vorerst aber unklar. Den Statuten gemäß müssen Anträge drei Wochen vor der Hauptversammlung eingebracht werden, mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit sind aber auch Ad-Hoc-Anträge möglich.

Stickler bedauert die Entscheidung

Stronach zeigte sich auf offizieller Seite von der Zusammenarbeit mit den Klubs angetan, meinte, dass die Bundesliga in seiner Amtszeit "wichtige Schritte in Richtung der Verbesserung der internationalen Konkurrenzfähigkeit unserer Vereine gesetzt" habe. Auch die Nationalmannschaft habe laut dem gebürtigen Steirer profitiert. 2005 sind allerdings bereits alle Teilnehmer an Europacup-Bewerben ausgeschieden, das ÖFB-Team scheiterte zudem deutlich um neun Punkte an der Qualifikation für die WM-Endrunde 2006 in Deutschland.

ÖFB-Präsident Friedrich Stickler bedauerte die Entscheidung. "Ich glaube, Frank Stronach war für den österreichischen Fußball ein wesentlicher Proponent. Wenn ich seine Verdienste Revue passieren lasse - die Akademie, Österreicher-Topf, Positionierung der Red Zac Liga, Bekenntnis zur Förderung des Nachwuchs - dann steht sehr viel auf der Plus-Seite. Die Zusammenarbeit zwischen der Bundesliga unter Stronach - und da schließe ich Martin Pucher (Vizepräsident) mit ein, war eine sehr gute. Ich hoffe, dass das so bleibt, im Hinblick auf die EURO 2008 und dem Wellental, in dem wir sind, müssen wir zusammen helfen."(APA)

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