Bedingte Haft für Baranski-Verwandte

24. November 2005, 22:03
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Verwandte des mutmaßlichen polnischen Mafia-Paten wegen Hehlerei verurteilt - Soll 140.000 Euro beiseite geschafft haben

Wien - Eine Verwandte des mutmaßlichen polnischen Mafia-Paten Jeremiasz Baranski ist am Donnerstag in Wiener Landesgericht wegen Hehlerei zu zehn Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Der Schöffensenat (Vorsitz: Minou Factor) nahm es als erwiesen an, dass sie im Auftrag von Baranski 140.000 Euro zur Seite geschafft hatte. Das Gericht erklärte das Geld für abgeschöpft, "denn es steht Ihnen nicht zu." Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Das Geld "retten"

Laut Anklageschrift hatte Baranski seine Verwandte fernmündlich gebeten, das Geld "zu retten", als er bereits in Wien in U-Haft saß. Offenbar verfügte er in seiner Zelle über ein Mobiltelefon. Gegen ihn war ein Strafverfahren wegen Anstiftung zur Ermordung des polnischen Sportministers Jacek Debski anhängig, dem er sich im Mai 2003 kurz vor der Urteilsverkündung durch Selbstmord entzog. Er erhängte sich, nachdem ein erster Suizidversuch - durch Einnahme eines Putzmittels - gescheitert war.

Nach dem Freitod ermittelten die Behörden weiter und fanden heraus, dass die Verwandte Baranskis kurz zuvor 140.000 Euro in einem Wiener Banksafe hinterlegt hatte. Geld, auf das Baranski laut Anklage keinen rechtmäßigen Anspruch hatte.

"Wichtigster Mensch im Leben"

"Natürlich waren Sie in Kenntnis davon, dass das Geld aus einer strafbaren Handlung stammte", stellte die Richterin nun in der Urteilsbegründung fest. Die Verwandte sei für Baranski "der wichtigste Mensch im Leben" gewesen, also habe sie Bescheid gewusst. Verteidiger Karl Bernhauser erbat sich Bedenkzeit, Staatsanwalt Alexander König gab vorerst keine Erklärung ab.

Sollte das Urteil "halten", sieht die Frau die 140.000 Euro nicht wieder. "Es gibt keinen Grund für Sie, dieses Geld zu behalten. Sie haben es der Republik zur Verfügung zu stellen", entschied zumindest die erste Instanz. (APA)

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