Bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen in Osteuropa

8. Dezember 2005, 17:45
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Hohe Steuern, Kriminalität und Korruption haben laut Studie in Osteuropa und der früheren Sowjetunion an Bedeutung verloren

Frankfurt - Hohe Steuern, Kriminalität und Korruption haben laut einer Studie als Hindernisse für Unternehmen in Osteuropa und der früheren Sowjetunion an Bedeutung verloren. Schwache Institutionen, Amtsschimmel und der schwierige Zugang zu Kapital bleiben jedoch hoch problematisch für die aufstrebenden Firmen. Das geht aus einer Umfrage der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung hervor, die am Donnerstag in Frankfurt vorgestellt wurde. Keine Schwierigkeiten bereitet es den Betrieben, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Für die Studie wurden mehr als 9.500 Unternehmen in 18 Ländern von Usbekistan bis Polen befragt.

Das Wirtschaftswachstum in der Region werde sich gemäß der Prognose der Entwicklungsbank 2005 zwar verlangsamen, bleibe mit 5,3 Prozent aber immer noch hoch. Im Vorjahr war ein Rekordwachstum von 6,6 Prozent erzielt worden. Besonders günstig seien die Aussichten in der ehemaligen Sowjetunion, wo viele Unternehmen von den gestiegenen Rohstoffpreisen - wie beim Öl - profitierten.

Russland wird zurück gestuft

Osteuropa sei eine dynamische Wirtschaftsregion, sagte Samuel Fankhauser, Chefökonom bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) am Donnerstag anlässlich der Präsentation des jährlichen Transformationsberichtes für 27 Länder Mitteleuropas und Zentralasiens.

Das Geschäftsumfeld in den ehemaligen kommunistischen Staaten habe sich im vergangenen Jahr spürbar verbessert, sagte Fankhauser. Allerdings seien große Unterschiede zu verzeichnen.

Am deutlichsten sind die Fortschritte in südosteuropäischen Ländern ausgefallen. Das größte Plus verzeichnete Serbien-Montenegro, das nach dem Fall des Diktators Slobodan Milosevic im Jahr 2000 in einer Aufholphase steckt.

Abgeschlagen dagegen steht Russland da. Erstmals hat die EBRD eine Rückstufung vornehmen müssen. Russland sei im Zug der Verstaatlichung im Gas- und Ölsektor vom Weg abgekommen, hieß es. Fankhauser sprach den Kauf des viertgrößten russischen Ölproduzenten Sibneft durch den staatlich dominierten Gasproduzenten Gasprom und die Jukos-Affäre an.

Erfreulich sei, dass in den zentraleuropäischen Ländern die Anpassungen nicht mehr durch den Druck der EU erfolgten, sondern von den Märkten getrieben würden, sagte Fankhauser. Allgemein wirke die Aussicht auf einen EU-Beitritt förderlich auf die Entwicklung.

Am weitesten im Weg zur Marktwirtschaft sind die zentraleuropäischen Länder gekommen. Sie werden von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) aus der Schweiz am ehesten für Investitionen berücksichtigt. Der größten Nachholbedarf haben die Länder der ehemaligen Sowjetunion (GUS).

Ausländische Direktinvestitionen

Die ausländischen Direktinvestitionen in die osteuropäischen Länder haben sich im vergangenen Jahr der 50-Mrd.-Dollar-Grenze genähert. Das Kreditwachstum ist beachtlich. Fankhauser rechnete mit einem mittelfristigen Wirtschaftswachstum von rund 5 Prozent.

Trotz der Verbesserungen blieben wesentliche Schwächen bestehen, hielt Fankhauser fest. Es seien mitunter hohe Haushaltsdefizite zu verzeichnen, zudem seien in mehreren Ländern Anfälligkeiten des Finanzsektors und politische Risiken hinderlich.

Laut einer Umfrage stehen private Unternehmen die größeren Hindernisse im Weg als staatlichen. Ein Unternehmer muss viel Zeit dafür rechnen, sich mit den Behörden auseinanderzusetzen. Zudem geht Umsatz für Bestechung verloren. In den GUS-Staaten etwa rechnen die Unternehmer mit einem Umsatzanteil von 1,3 Prozent. (APA)

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