Arbeiterkammer: Gesundes Naschen ist bloß ein Werbegag

2. Dezember 2005, 17:30
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Kinderprodukte liefern "zu viel schlechte und zu wenig gute Kohlenhydrate"

Wien - Gesundes Naschen ist bloß ein Werbegag, denn die Mehrheit der Kinderprodukte sind eindeutig Süßigkeiten. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag in Wien präsentierten Studie der Arbeiterkammer (AK), in der 57 eigens für Kinder angebotene Lebensmittel ernährungswissenschaftlich bewertet wurden. 90 Prozent der untersuchten Snacks waren nicht oder nur eingeschränkt empfehlenswert.

"Kinderlebensmittel sind nicht die tollen Ernährungs-Hits für die Kids und nicht besser als normale Lebensmittel", sagte AK-Konsumentenschützer Harald Glatz bei einer Pressekonferenz. Kinderprodukte würden "zu viel schlechte und zu wenig gute Kohlenhydrate" liefern und seien "teilweise auch zu fett".

Viele Werbebotschaften erwiesen sich im Test als "Gag": Bei vielen Snacks werde mit Milch geworben, aber sei "bestenfalls ein Esslöffel Vollmilch" drin. Der Zuckergehalt war nur bei jedem fünften Produkt genau angegeben, die Vitaminanreicherungen erfolgen willkürlich und liefern das, wovon die Kinder ohnehin genug hätten, nämlich Vitamin C und B.

Empfehlungen

Süßigkeiten seien okay, sollten aber nicht ernährungsbestimmend sein, sagte Glatz. "Sie tun Ihrem Kind etwas Gutes, wenn sie auf eine ausgewogene, vielseitige Kost setzen." Ideal sei zwei Mal pro Woche Fisch und maximal drei Mal wöchentlich mageres Fleisch und Geflügel, weiters täglich ein Glas Milch und noch ein anderes Milchprodukt, mehrere Scheiben Brot (am besten Vollkorn), Reis, Nudeln, Kartoffeln, täglich mindestens ein Portion Gemüse roh oder gekocht, mehrere Stück Obst und mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit in Form von kalorienarmen coffeinfreien Getränken.

Auf Grund der Studien-Ergebnisse fordert die AK, dass EU-weit "gesundheitsbezogene Werbung für zu fette, süße und salzige Produkte" verboten werden müsse. Die Werbung müsse realistisch sein, auch Angaben wie "fettfrei" oder "light" sollten für Kinder-Lebensmittel - da irreführend - untersagt werden.

Hintergrund

Die Arbeiterkammer untersuchte in der aktuellen Studie zwischen August und November 2005 insgesamt 57 Lebensmittel für Kids: 34 Snacks zum Abbeißen, davon vier pikante Snacks, 14 zum Löffeln und neun "Zwischendurch-Goodies" wie Zuckerl, Schlecker und Fruchtgummis. Es wurden nur solche Produkte ausgewählt, die sich auf Grund ihres Namens, ihrer Verpackung, Aufmachung und Werbung eindeutig an Kinder richten. (APA)

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