Gesundes Naschen, ein Werbegag

29. November 2005, 11:25
1 Posting

Studie der Arbeiterkammer: Kinderprodukte sind zu süß und zu fett

Wien - Gesundes Naschen ist bloß ein Werbegag, denn die Mehrheit der Kinderprodukte sind eindeutig Süßigkeiten. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag in Wien präsentierten Studie der Arbeiterkammer (AK), in der 57 eigens für Kinder angebotene Lebensmittel ernährungswissenschaftlich bewertet wurden. 90 Prozent der untersuchten Snacks waren nicht oder nur eingeschränkt empfehlenswert.

"Kinderlebensmittel sind nicht die tollen Ernährungs-Hits für die Kids und nicht besser als normale Lebensmittel", sagte AK-Konsumentenschützer Harald Glatz bei einer Pressekonferenz. Kinderprodukte würden "zu viel schlechte und zu wenig gute Kohlenhydrate" liefern und seien "teilweise auch zu fett".

Genügend Vitamin C

Viele Werbebotschaften erwiesen sich im Test als "Gag": Bei vielen Snacks werde mit Milch geworben, aber sei "bestenfalls ein Esslöffel Vollmilch" drin. Der Zuckergehalt war nur bei jedem fünften Produkt genau angegeben, die Vitaminanreicherungen erfolgen willkürlich und liefern das, wovon die Kinder ohnehin genug hätten, nämlich Vitamin C und B.

Süßigkeiten seien okay, sollten aber nicht ernährungsbestimmend sein, sagte Glatz. "Sie tun Ihrem Kind etwas Gutes, wenn sie auf eine ausgewogene, vielseitige Kost setzen." Ideal sei zwei Mal pro Woche Fisch und maximal drei Mal wöchentlich mageres Fleisch und Geflügel, weiters täglich ein Glas Milch und noch ein anderes Milchprodukt, mehrere Scheiben Brot (am besten Vollkorn), Reis, Nudeln, Kartoffeln, täglich mindestens ein Portion Gemüse roh oder gekocht, mehrere Stück Obst und mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit in Form von kalorienarmen coffeinfreien Getränken.

Irreführende Angaben

Auf Grund der Studien-Ergebnisse fordert die AK, dass EU-weit "gesundheitsbezogene Werbung für zu fette, süße und salzige Produkte" verboten werden müsse. Die Werbung müsse realistisch sein, auch Angaben wie "fettfrei" oder "light" sollten für Kinder-Lebensmittel - da irreführend - untersagt werden.

Die Arbeiterkammer untersuchte in der aktuellen Studie zwischen August und November 2005 insgesamt 57 Lebensmittel für Kids: 34 Snacks zum Abbeißen, davon vier pikante Snacks, 14 zum Löffeln und neun "Zwischendurch-Goodies" wie Zuckerl, Schlecker und Fruchtgummis. Es wurden nur solche Produkte ausgewählt, die sich auf Grund ihres Namens, ihrer Verpackung, Aufmachung und Werbung eindeutig an Kinder richten. (APA)

  • Süßigkeiten mit dem Zusatz "mit Vitaminen" oder "mit viel Milch" sind nicht gesünder als andere, mahnt die Arbeiterkammer
    foto: epa/mario guzman

    Süßigkeiten mit dem Zusatz "mit Vitaminen" oder "mit viel Milch" sind nicht gesünder als andere, mahnt die Arbeiterkammer

Share if you care.