Gewalttaten an Frauen nehmen ab dem "heiratsfähigen" Alter zu

24. November 2005, 14:02
2 Postings

Null Toleranz gegen Gewalt: Niederösterreichs SPÖ-Frauen stellen Forderungen an die zuständigen PolitikerInnen

St. Pölten - Gewalt kommt in allen Schichten in allen Formen vor. Interessantes zeigt die Statistik auf: Bis zum 26. Lebensjahr werden mehr Männer als Frauen zu Opfern von Körperverletzungen. Männer prügeln sich demnach miteinander. Dann, im "heiratsfähigen" Alter, holen Frauen auf. Das eigene Heim ist nicht ein Ort der Sicherheit, sondern wird gefährlich. Jede fünfte Frau ist in der Familie von Gewalt betroffen. Offiziell sind niederösterreichische Frauen in 1.590 Fällen die Opfer von Körperverletzungen - die Dunkelziffer ist weitaus höher. Als Auftakt zu den von 25. November bis 10. Dezember stattfindenden "16 Tagen gegen Gewalt an Frauen" stellten am Mittwoch die SPÖ-Frauen in Niederösterreich ihre Forderungen an die zuständigen PolitikerInnen.

Langer Weg in die Sicherheit

Zum einen ist dies die Änderung des § 107a von einem Ermächtigungsdelikt in ein Offizialdelikt, was bedeutet, das Anzeigen nicht mehr zurückgenommen werden können. "Frauen sind oft einem gewaltigen Druck innerhalb der Familie ausgesetzt, um Anzeigen gegen gewalttätige Familienmitglieder wieder zurückzuziehen. Das sollte nicht mehr möglich sein. Zum anderen sollte die Polizei direkt vor Ort eingreifen können und nicht auf einen Gerichtsbeschluß warten müssen, denn bis dahin ist oft schon viel passiert", weiß Polizeioberst Karin Friewald aus Erfahrung.

Die Leiterin des Frauenhauses Maria Imlinger, ist immer wieder betroffen von der Solidarität mit den Tätern, die die Opfer, Frauen und Mädchen, verantwortlich machen. "Entweder ist der Rock zu kurz, oder Frau macht sonst einen 'Fehler'", so Maria Imlinger.
Mehr Hilfseinrichtungen und ausreichende finanzielle Mittel für Niederösterreich fordert SPÖ-Landesfrauenvorsitzende NR Gabriele Binder-Maier, "Frauenhäuser und Beratungsstellen sind vor allem in den größeren Städten angesiedelt. Für betroffene Frauen am Land bedeutet dies, dass der Weg in die Sicherheit meistens sehr lang ist."

"Zahnloses" Gesetz

Eine weitere Forderung an die Bundesregierung ist vor allem das "zahnlose" Anti-Stalking Gesetz, das zur Zeit in Begutachtung ist. "Betroffene Frauen sollen sich direkt an die Polizei wenden können und sich damit den Weg zu Gericht ersparen. Auch ein Kontaktverbot soll von der Polizei direkt ausgesprochen werden können. Zugleich wünscht sich auch die Polizei schnell eingreifen zu können, wenn sicher ist, das Psychoterror ausgeübt wird", so Gabriele Binder-Maier.

Frei von Gewalt

"Die weiteren Schritte zu einem Leben ohne Gewalt können sich für Frauen am Land als besonders schwierig erweisen. Der eklatante Arbeitsplatzmangel, lange Anfahrtswege, nicht oder nicht ausreichende Verkehrsverbindungen, unzureichende Kinderbetreuungsplätze gepaart mit immer flexibleren Arbeitszeiten machen den Weg in die Erwerbstätigkeit und damit zur finanziellen und sozialen Unabhängigkeit nahezu unmöglich. Breit angelegte Maßnahmen der Politik zur Frauenförderung sind notwendig," so die SPÖ-Landesfrauenvorsitzende abschließend. (red)

  • SPÖ-Frauen: Eine breite Frauenpolitik samt greifender Maßnahmen sollte Frauen den Weg in ein Leben ohne Gewalt erleichtern.
    foto: spö-frauen
    SPÖ-Frauen: Eine breite Frauenpolitik samt greifender Maßnahmen sollte Frauen den Weg in ein Leben ohne Gewalt erleichtern.
Share if you care.