FGM: Drei Millionen Mädchen werden jährlich verstümmelt

28. November 2005, 11:47
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Neuer UNICEF-Report stellt kaum Rückgang bei Genitalbeschneidung in Afrika und dem Mittleren Osten fest - auch immer mehr Frauen in westlichen Staaten betroffen

Kairo/Wien - Etwa drei Millionen Mädchen in Afrika und dem Mittleren Osten werden jedes Jahr beschnitten. Das ergab ein neuer Report des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF, der am Donnerstag in Kairo vorgestellt wurde. Der Bericht weist aber auch darauf hin, dass mit weltweitem Einsatz und Unterstützung diese Praktik innerhalb einer Generation ausgemerzt werden könnte.

Globales Problem

Weibliche Genitalbeschneidung ist eine traditionelle Praktik, von der angenommen wird, Schönheit, Ehre, und Heiratsfähigkeit eines Mädchens zu steigern sowie ihren sozialen Status zu verbessern und ihre Keuschheit zu sichern. Eltern lassen ihre Töchter beschneiden, um die Interessen des Mädchens und die Familienehre zu schützen. Die Beschneidung verursacht nicht nur heftige Schmerzen, sondern kann auch zu Infektionen, starken Blutungen, Unfruchtbarkeit und zum Tod führen.

In den 28 Ländern in Afrika und dem Mittleren Osten, wo weibliche Beschneidung praktiziert wird, sind laut UNICEF insgesamt etwa 130 Millionen Frauen und Mädchen betroffen. Frühere Schätzungen sprachen von zwei Millionen neuen Beschneidungen pro Jahr. Aufgrund neuer und besserer Daten geht man nun von jährlich drei Millionen Mädchen aus, die diesen Eingriff erdulden müssen. Weibliche Beschneidung ist mittlerweile ein globales Problem, das ebenso Immigrantinnen in Industriestaaten betrifft.

Medizinisches Personal ersetzt Beschneiderinnen

Obwohl es in Ländern wie Benin, Burkina Faso, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Nigeria, Tansania, Jemen und der Zentralafrikanischen Republik Hinweise auf einen Rückgang der Beschneidungsraten gibt, gab es laut UNICEF kaum Fortschritte hinsichtlich der weltweiten Ausrottung dieser Praktik. Der Report stellt aber zumindest fest, dass der Eingriff immer öfter von medizinischem Personal durchgeführt und nicht mehr von traditionellen Beschneiderinnen.

Strategien zur Beendigung

Der UNICEF-Report "Changing a Harmful Social Convention: Female Genital Mutilation/Cutting" setzt sich auch mit vielversprechenden Strategien zur Beendigung der weiblichen Beschneidung auseinander. UNICEF unterstützt vor allem lokale NGOs und Initiativen, die sich auf Gemeindeebene für die Abschaffung der Beschneidung einsetzen. Wichtig ist auch die Involvierung von religiösen und traditionellen Führern sowie von Gesundheitspersonal, traditionellen HeilerInnen, SozialarbeiterInnen und LehrerInnen.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Der Report beleuchtet auch die soziale Dynamik rund um die Beschneidung: Der Druck, sozialen Erwartungen zu entsprechen, kann enorm hoch sein. Eltern, die mit dieser Tradition brechen wollen, sind mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. "Mütter und Väter lassen ihre Töchter beschneiden, damit diese von der Gesellschaft akzeptiert werden", erklärte die stellvertretende UNICEF-Direktorin Rima Salah.

Zunahme in westlichen Staaten

Ein weiterer beunruhigender Punkt: In Australien, Kanada, den USA und etlichen westeuropäischen Ländern nehme die Zahl der heimlich beschnittenen Frauen zu, weil EinwandererInnen dieses Ritual mitbrächten. In den meisten westlichen Staaten ist die Beschneidung verboten. (APA/Reuters)

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    Der UNICEF-Report "Changing a Harmful Social Convention: Female Genital Mutilation/Cutting" setzt sich auch mit vielversprechenden Strategien zur Beendigung der weiblichen Beschneidung auseinander.
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