Das Internet als das bessere Papier

9. Dezember 2005, 10:12
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90 Prozent des Internetpotenzials sind noch ungenutzt, sagt der Webpionier John Patrick.

Die Bedeutung des Internets als wichtiger Kommunikations- und Wirtschaftsfaktor, als Motor für Weiterentwicklung, Bildung und technischen Fortschritt ist schon heute unbestritten. Dabei befindet sich das 1989 von Tim Berners-Lee am CERN, dem Europäischen Zentrum für Teilchenphysik in Genf, "erfundene" weltweite Kommunikationsnetz erst in der Sandkastenphase: "Wir nutzen derzeit gerade einmal fünf bis zehn Prozent des Potenzials, das das Internet auf Lager hat", ist John Patrick überzeugt.

Visionen

Als ehemaliger Internet-Cheftechniker bei IBM, Gründungsmitglied des World Wide Web Consortiums, Buchautor (u. a. "Net Attitude", 2001) und begeisterter Blogger kennt er das Netz der Netze wie seine Westentasche. Auf Einladung des Verbands der österreichischen Internet Service Provider (ISPA) ließ er auf dem gestrigen Internet Summit 2005 das Publikum an seinen Visionen teilhaben.

Das Leben einfacher machen

Und in diesen sollte das Internet für alles eingesetzt werden, was das Leben einfacher macht. "Viele der 90 Prozent an noch auszuschöpfenden Möglichkeiten des Internets befinden sich immer noch auf unnötigem Papier", lüftet er den Schleier vor der Zukunft und konkretisiert seine Aussage mit einem Beispiel aus dem amerikanischen Gesundheitssystem.

Überflüssige Doppelbefunde

Hier würden jährlich mehr als 200 Mrd. Dollar für überflüssige Doppelbefunde in Papierform verpulvert. In elektronischer Form und über das Internet abrufbar, ständen sie nicht nur ressourcenschonender, sondern auch schneller zur Verfügung. Ein Beispiel, das sich auch auf andere Bereiche wie etwa die öffentliche Verwaltung, notarielle Dienste etc. anwenden ließe.

Voraussetzung für eine Welt, in der alles im Internet zu finden ist, aber nicht alle Informationen für alle zugänglich sein sollten, ist für Patrick Authentifikation, also Identifikation und Autorisierung der Benutzer durch bestimmte Codes, und Verschlüsselung der Daten.

Spam, Phishing und Viren

Zwei Faktoren, die auch der Kritik an der Unsicherheit im Internet den Wind aus den Segeln nehmen würden. "Spam, Phishing, Viren, etc. haben eines gemeinsam: Nur durch die fehlende Authentifizierung sind diese Straftaten technisch überhaupt möglich", betont der Internetexperte.

"Wir brauchen keine neuen Gesetze, sondern Authentifikation und Verschlüsselungssysteme", folgert er daraus. Beides werde in den nächsten Jahren greifbare Realität, und damit sei das Ende von Spam und Co eingeläutet.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 24.11.2005)

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