2006: Mobilfunkbranche am Scheidepunkt

1. Dezember 2005, 11:22
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VoIP und zunehmende Marktsättigung belasten den Sektor

Der Mobilfunksektor sieht in den kommenden Jahren schweren Zeiten entgegen. Vor allem die durch VoIP unter Druck geratenen Preise für Sprachtelefonie und die hohen Kosten für die Kundengewinnung belasten den Sektor. Um weiter wachsen zu können, müsse die Branche neue Prioritäten setzen, raten die Analysten der britischen Beraterfirma Informa Telecoms & Media (ITM).

Drastische Veränderungen

"Die Internettelefonie sowie nicht lizenzierte Mobilfunknetzwerke werden die Mobilfunklandschaft in den kommenden fünf Jahren drastisch verändern", warnte etwa ITM-Chefanalyst Mark Newman. "2006 wird ein entscheidendes Jahr für einen Wechsel markieren", so Newman. Die Betreiber versuchten verstärkt, Kosten einzusparen und setzten dabei auf Internettechnologien, die Auslagerung von Netzwerkinfrastruktur und die Kürzung der Handysubventionen. Darüber hinaus sollten sie sich aber neue Umsatzquellen erschließen, etwa mobile Unterhaltungsservices, so Newman.

Optimismus steigt

Trotz der eingetrübten Aussichten steigt der Optimismus in der Mobilfunkbranche. Laut Studie sehen 68 Prozent der von ITM befragten Branchenmanager zuversichtlicher auf das kommende Jahr als noch vor Jahresfrist. Zwar glauben 84 Prozent, dass die Preise für Gespräche im Mobilfunkbereich weiter sinken werden. Nur 30 Prozent der Befragten sehen aber VoIP als ernste Bedrohung. Dabei geht ITM davon aus, dass VoIP den Mobilfunkbetreibern im kommenden Jahr zum ersten Mal einen größeren Teil ihrer Umsätze wegschnappen könnte.

Durch Zukäufe wachsen

"Den europäischen Mobilfunkbetreibern geht es gar nicht so schlecht", beruhigte RZB-Analyst Andreas Schiller im Gespräch mit pressetext. Allerdings herrsche nach wie vor ein hoher Wettbewerbsdruck durch die starke Fragmentierung und Sättigung der Märkte. Das mache es für die Unternehmen schwierig, organisches Wachstum zu generieren. Deshalb versuchten die Mobilfunkbetreiber zunehmend, über Zukäufe zu wachsen. Trotz Konsolidierung sei dadurch eine Wettbewerbsberuhigung auf vielen europäischen Märkten nicht in Sicht, so Schiller.

VoIP sieht Schiller nicht nur als Bedrohung für die Telekombranche. Zwar drückten die Angebote von Skype und Co auf die Gesprächspreise. Dafür kurbele die steigende Nachfrage das Breitbandangebot an. Veränderung sieht aber auch Schiller auf die Betreiber zukommen. Die europäische Telekombranche sei auf dem Weg in Richtung Bündelangebote, etwa IPTV oder die Konvergenz von Mobil- und Festnetzangeboten, schätzt Schiller.(pte)

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